Aktuelle Neuigkeiten zu den Forderungen
ORF: Späte Erkenntnis – Dürftige Einsicht
Monika Lindner und Werner Faymann philosophieren über den ORF
Es seit Zeit, meinte Ex-ORF-Generaldirektorin Monika Lindner unlängst in einem Standard-Interview (19.8.2009), „den ORF an neue Gegebenheiten anzupassen. Er hat im Prinzip die Strukturen der 1960er-Jahre.“ Die Erkenntnis kommt mindestens 7 Jahre zu spät. Als Generalin (2002-2006) hätte sie die notwendige Strukturreform aktiv vorantreiben können.
Für Bundeskanzler Werner Faymann dagegen scheint die Zeit für eine nachhaltige ORF-Reform noch nicht gekommen zu sein. Im FORMAT-Interview vom 21.8.2009 sieht er beim ORF nur Einsparungsbedarf: Beim Budget und beim Stiftungsrat. Auf die Frage, ob es ein neues ORF-Gesetz brauchte, sagt Faymann: „Nicht unbedingt. Obwohl ein ORF-Gesetz jedenfalls den Sinn hat, dass statt 36 Leuten im Aufsichtsrat deutlich weniger drinnen sitzen.“
Dass ein neues ORF-Gesetz auch darüber hinaus Sinn hätte, um die politischen Rahmenbedingungen für einen unabhängigen öffentlich-rechtlichen Rundfunk mit hoher und unverwechselbarer Programmqualität in Zeiten einer völlig veränderten Fernsehlandschaft festzulegen, ist in den Köpfen der Regierung offenbar noch nicht angekommen. Die vielfältigen Anregungen dazu aus dem ORF selbst, aus diversen zivilgesellschaftlichen Gruppierungen, den unabhängigen Zeitungen und der österreichischen Filmindustrie wurden bislang nicht einmal ignoriert.
„Man muss“, nochmals O-Ton Lindner, „die Leute nicht für blöd halten, dass sie nur dasselbe wollen wie auf allen anderen Sendern. Hab ja ich mich schon teilweise geniert.“ Bloß: teilweise genieren reicht halt nicht, um besseres Programm zu machen, um den ORF nicht zur Abspielstätte US-amerikanischer Serien verkommen zu lassen, die sich im Quotenkampf mit deutschen Privatsendern verliert.
Um den ORF zu einem österreichischen und europäischen Public Service-Sender zu machen, mit dem die Gebührenzahler sich identifizieren können, in dem sie sich selbst, ihre Interessen, ihre Anliegen und ihre Probleme wahrgenommen und gespiegelt sehen, brauchte es ein inhaltliches Konzept, das auf einem klaren gesetzlichen Programmauftrag und einem Bewusstsein von der demokratiepolitischen Bedeutung sowie den Funktionen und Aufgaben eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks basiert.
Darin läge der Sinn eines neuen Gesetzes für den ORF, für dessen Programm sich GeneraldirektorInnen dann nicht mehr genieren müssten.
Es seit Zeit, meinte Ex-ORF-Generaldirektorin Monika Lindner unlängst in einem Standard-Interview (19.8.2009), „den ORF an neue Gegebenheiten anzupassen. Er hat im Prinzip die Strukturen der 1960er-Jahre.“ Die Erkenntnis kommt mindestens 7 Jahre zu spät. Als Generalin (2002-2006) hätte sie die notwendige Strukturreform aktiv vorantreiben können.
Für Bundeskanzler Werner Faymann dagegen scheint die Zeit für eine nachhaltige ORF-Reform noch nicht gekommen zu sein. Im FORMAT-Interview vom 21.8.2009 sieht er beim ORF nur Einsparungsbedarf: Beim Budget und beim Stiftungsrat. Auf die Frage, ob es ein neues ORF-Gesetz brauchte, sagt Faymann: „Nicht unbedingt. Obwohl ein ORF-Gesetz jedenfalls den Sinn hat, dass statt 36 Leuten im Aufsichtsrat deutlich weniger drinnen sitzen.“
Dass ein neues ORF-Gesetz auch darüber hinaus Sinn hätte, um die politischen Rahmenbedingungen für einen unabhängigen öffentlich-rechtlichen Rundfunk mit hoher und unverwechselbarer Programmqualität in Zeiten einer völlig veränderten Fernsehlandschaft festzulegen, ist in den Köpfen der Regierung offenbar noch nicht angekommen. Die vielfältigen Anregungen dazu aus dem ORF selbst, aus diversen zivilgesellschaftlichen Gruppierungen, den unabhängigen Zeitungen und der österreichischen Filmindustrie wurden bislang nicht einmal ignoriert.
„Man muss“, nochmals O-Ton Lindner, „die Leute nicht für blöd halten, dass sie nur dasselbe wollen wie auf allen anderen Sendern. Hab ja ich mich schon teilweise geniert.“ Bloß: teilweise genieren reicht halt nicht, um besseres Programm zu machen, um den ORF nicht zur Abspielstätte US-amerikanischer Serien verkommen zu lassen, die sich im Quotenkampf mit deutschen Privatsendern verliert.
Um den ORF zu einem österreichischen und europäischen Public Service-Sender zu machen, mit dem die Gebührenzahler sich identifizieren können, in dem sie sich selbst, ihre Interessen, ihre Anliegen und ihre Probleme wahrgenommen und gespiegelt sehen, brauchte es ein inhaltliches Konzept, das auf einem klaren gesetzlichen Programmauftrag und einem Bewusstsein von der demokratiepolitischen Bedeutung sowie den Funktionen und Aufgaben eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks basiert.
Darin läge der Sinn eines neuen Gesetzes für den ORF, für dessen Programm sich GeneraldirektorInnen dann nicht mehr genieren müssten.
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Studie: Kultursubventionen rechnen sich.
Besonders lukrativ ist die Filmindustrie.
Laut einer aktuellen Untersuchung des Instituts für Höhere Studien (IHS) im Auftrag der Wiener Wirtschaftskammer zählt insbesondere die Filmbranche zu den wertschöpfungsintensivsten Kulturbereichen. Laut IHS stehen einer Million Euro Förderung in Film und Kino 3,4 Mio. Euro Wertschöpfung, 45 Vollzeitarbeitsplätze und öffentliche Einnahmen in Höhe von 640.000 Euro gegenüber. Damit hat der Filmbereich den zweithöchsten Wertschöpfungsfaktor von allen geförderten Bereichen und wird nur von der Musik (4,1 Mio. Euro) überholt. Der Großteil der Wertschöpfung fließt in Form von Aufträgen in Wiener Unternehmen. Allen voran stehen Ausstatter-, Bühnen- und Tontechnikunternehmen, Verlage, Werber, Kinobetreiber, Unternehmensberater, Autoren, Regisseure, aber auch das Baugewerbe, der Handel und die Druckereien. Zusätzlich dazu profitieren Hotellerie und Gastronomie.
Laut einer aktuellen Untersuchung des Instituts für Höhere Studien (IHS) im Auftrag der Wiener Wirtschaftskammer zählt insbesondere die Filmbranche zu den wertschöpfungsintensivsten Kulturbereichen. Laut IHS stehen einer Million Euro Förderung in Film und Kino 3,4 Mio. Euro Wertschöpfung, 45 Vollzeitarbeitsplätze und öffentliche Einnahmen in Höhe von 640.000 Euro gegenüber. Damit hat der Filmbereich den zweithöchsten Wertschöpfungsfaktor von allen geförderten Bereichen und wird nur von der Musik (4,1 Mio. Euro) überholt. Der Großteil der Wertschöpfung fließt in Form von Aufträgen in Wiener Unternehmen. Allen voran stehen Ausstatter-, Bühnen- und Tontechnikunternehmen, Verlage, Werber, Kinobetreiber, Unternehmensberater, Autoren, Regisseure, aber auch das Baugewerbe, der Handel und die Druckereien. Zusätzlich dazu profitieren Hotellerie und Gastronomie.
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News
Gegen eine Schmalspurreform des ORF
„SPÖ und ÖVP sollten die Zukunft der Anstalt grundsätzlicher angehen“, meint Harald Fidler in einem Standard-Kommentar
„2000 nahm der ORF noch ebenso viel aus Gebühren ein wie aus Werbung. 2008 lieferten Spots & Co nur noch weniger als die Hälfte der Empfangsgebühren. Die Konjunktur schlägt sich zwar auch auf die Gebühren - Arbeitslose sind davon befreit. Aber auch hier bricht Werbung viel deutlicher ein.
Dramatisch, wie die Kurven von Gebühren und Werbung im ORF auseinanderstreben, versteht man Überlegungen in der ÖVP: Warum nicht nachdenken, ob der ORF auch ohne Werbung auskommen kann? Im Fernsehen oder jedenfalls dem Hauptabendprogramm. Oder online. Oder, darauf kam die Volkspartei bisher nicht, gar im Radio?
Unmöglich für Josef Cap, die jahrzehntelang bewährte Schutzmantelmadonna des ORF, und andere Sozialdemokraten. Die SPÖ-Medienverhandler lassen gleich den davon betroffenen ORF berechnen, wie unmöglich viel solche Maßnahmen kosteten. 120 Millionen kursieren, bisweilen auch 190.
Ein zentraler Punkt fehlt in der Debatte: Vielleicht könnten SPÖ und ÖVP im Bund auf ihre Anteile an den Gebühren im Bund verzichten und auch ihre Landeshauptleute dazu bewegen. Ersetzt der Bund dem ORF - wie den Telekoms - noch Befreiungen von den Gebühren, der ORF hätte einen Entfall der Werbung locker kompensiert. Die Länder müssten eben Altstadtsanierung, Musikschulen und Brauchtumspflege ehrlicher finanzieren.
Wenn dann noch jemand den Menschen klar macht, dass sie Gebühren für etwas zahlen, das Privatsender nicht bieten. Und wenn der ORF tatsächlich solche Inhalte liefert. Dann nähme das viel Quotendruck von der Anstalt. Die ORF-Führung hält dem Druck ohnehin nicht stand - siehe bröselnde Marktanteile.
Ein rein aus Gebühren finanzierter ORF wäre der Politik völlig ausgeliefert? Immer eine Frage der handelnden Personen: Monika Lindners ORF galt als Regierungsfunk pur. Wrabetz und seinem Info-Direktor Elmar Oberhauser kann man viel nachsagen - von Quotenschwund bis zur allzu großen Abhängigkeit von Finanzerträgen. Aber unabhängiger wirkt seine Information allemal - und der Gebührenanteil wuchs in der Zeit. Ohne Werbung könnten sich ORF-Manager auch sparen, Redaktionen um Schonung von Werbekunden zu bitten. Und vielleicht käme dann Privatfunk auf die Beine, mit oder ohne deutsche Beteiligung.
SPÖ und ÖVP wollten handstreichartig wie dilettantisch die ORF-Führung austauschen. Man kann es ihnen nicht verdenken in dieser Lage des ORF, wiewohl das meistgehandelte Personal kaum Rettung versprach. Nun verlegen sie sich auf Schmalspurreformen. Sie sollten im Gegenteil grundsätzlicher werden. Sonst bestimmen bald - Aua! - alleine Multis auch Österreichs Fernsehbranche.“
Den ganzen Kommentar von Harald Fidler können Sie unter http://derstandard.at nachlesen.
„2000 nahm der ORF noch ebenso viel aus Gebühren ein wie aus Werbung. 2008 lieferten Spots & Co nur noch weniger als die Hälfte der Empfangsgebühren. Die Konjunktur schlägt sich zwar auch auf die Gebühren - Arbeitslose sind davon befreit. Aber auch hier bricht Werbung viel deutlicher ein.
Dramatisch, wie die Kurven von Gebühren und Werbung im ORF auseinanderstreben, versteht man Überlegungen in der ÖVP: Warum nicht nachdenken, ob der ORF auch ohne Werbung auskommen kann? Im Fernsehen oder jedenfalls dem Hauptabendprogramm. Oder online. Oder, darauf kam die Volkspartei bisher nicht, gar im Radio?
Unmöglich für Josef Cap, die jahrzehntelang bewährte Schutzmantelmadonna des ORF, und andere Sozialdemokraten. Die SPÖ-Medienverhandler lassen gleich den davon betroffenen ORF berechnen, wie unmöglich viel solche Maßnahmen kosteten. 120 Millionen kursieren, bisweilen auch 190.
Ein zentraler Punkt fehlt in der Debatte: Vielleicht könnten SPÖ und ÖVP im Bund auf ihre Anteile an den Gebühren im Bund verzichten und auch ihre Landeshauptleute dazu bewegen. Ersetzt der Bund dem ORF - wie den Telekoms - noch Befreiungen von den Gebühren, der ORF hätte einen Entfall der Werbung locker kompensiert. Die Länder müssten eben Altstadtsanierung, Musikschulen und Brauchtumspflege ehrlicher finanzieren.
Wenn dann noch jemand den Menschen klar macht, dass sie Gebühren für etwas zahlen, das Privatsender nicht bieten. Und wenn der ORF tatsächlich solche Inhalte liefert. Dann nähme das viel Quotendruck von der Anstalt. Die ORF-Führung hält dem Druck ohnehin nicht stand - siehe bröselnde Marktanteile.
Ein rein aus Gebühren finanzierter ORF wäre der Politik völlig ausgeliefert? Immer eine Frage der handelnden Personen: Monika Lindners ORF galt als Regierungsfunk pur. Wrabetz und seinem Info-Direktor Elmar Oberhauser kann man viel nachsagen - von Quotenschwund bis zur allzu großen Abhängigkeit von Finanzerträgen. Aber unabhängiger wirkt seine Information allemal - und der Gebührenanteil wuchs in der Zeit. Ohne Werbung könnten sich ORF-Manager auch sparen, Redaktionen um Schonung von Werbekunden zu bitten. Und vielleicht käme dann Privatfunk auf die Beine, mit oder ohne deutsche Beteiligung.
SPÖ und ÖVP wollten handstreichartig wie dilettantisch die ORF-Führung austauschen. Man kann es ihnen nicht verdenken in dieser Lage des ORF, wiewohl das meistgehandelte Personal kaum Rettung versprach. Nun verlegen sie sich auf Schmalspurreformen. Sie sollten im Gegenteil grundsätzlicher werden. Sonst bestimmen bald - Aua! - alleine Multis auch Österreichs Fernsehbranche.“
Den ganzen Kommentar von Harald Fidler können Sie unter http://derstandard.at nachlesen.
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Medienbericht
Wer rettet den ORF?
„Bei Eigenproduktionen zu sparen und stattdessen mit noch billigeren Serienimporten auf Quote zu schielen, ist der falsche Weg“, meint Norbert Mayer in einem „Presse“-Kommentar.
Wer erinnert sich noch an den Amtsbeginn von ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz Anfang 2007? Wenige Monate später galt es als Drama, dass die addierte Quote seiner Fernsehsender nach einer missglückten Programmreform unter 40 Prozent sinken könnte. In diesem Juli liegt der gemeinsame Marktanteil von ORF1 und ORF2 bei 34 Prozent. Das ist ein Verlust von zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Juli 2008 hat er noch 37,4 Prozent betragen. Wie lange wird die 30 halten?
Masse ist nicht alles. Keine Panik also, kein SOS ORF? Vielleicht doch. Zugleich liegt unser öffentlich-rechtlicher Rundfunk nämlich auch in diesem Jahr bei den Werbeeinnahmen deutlich unter Plan. Es droht beim Budget so wie im Vorjahr ein kräftiges Minus, obwohl erst 2008 die Gebühren erhöht worden sind. Mehr als eine halbe Milliarde Euro machen die Beiträge der Seher aus. Das ist offenbar immer noch zu wenig. Es gilt heute schon als Erfolg, wenn das Defizit nicht 100, sondern weniger als 50 Millionen Euro beträgt.
Noch mehr Werbezeit? Wie also sieht die Konsequenz aus? Noch mehr Werbezeit? Noch höhere Gebühren? Lächerlich! Ausschlaggebend wird neben ernsten Verschlankungsversuchen sein, wohin Wrabetz und sein Team mit dem Programm steuern. Bei Eigenproduktionen zu sparen und stattdessen mit noch billigeren Serienimporten auf Quote zu schielen, ist der falsche Weg. Der ORF als Luxusalternative zu Pro7 oder Sat1 ist verzichtbar. Aus Soap können kommerzielle Sender wesentlich besser Kapital schlagen als eine vergleichsweise regionale Anstalt, die nur in einer Kategorie mehr Masse hat – an Mitarbeitern und Kosten für diese.
Vielleicht ist es gerade in harten Zeiten nötig, eine wirklich große Programmreform durchzuziehen. Quote muss für einen staatlichen Sender mit Bildungsauftrag tatsächlich nicht ausschlaggebend sein. 40 Prozent sind bereits Illusion, 30 Prozent noch lange nicht sicher. In Deutschland liegen ARD und ZDF derzeit bei rund zwölf Prozent. Tendenz also fallend. Dann aber sollten sich gebührenfinanzierte Sender, die in der aktuellen Medienlandschaft immer mehr zu Exoten werden, auf Qualität und regionale Kompetenz konzentrieren.
Lesen Sie hier den vollständigen Kommentar.
Wer erinnert sich noch an den Amtsbeginn von ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz Anfang 2007? Wenige Monate später galt es als Drama, dass die addierte Quote seiner Fernsehsender nach einer missglückten Programmreform unter 40 Prozent sinken könnte. In diesem Juli liegt der gemeinsame Marktanteil von ORF1 und ORF2 bei 34 Prozent. Das ist ein Verlust von zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Juli 2008 hat er noch 37,4 Prozent betragen. Wie lange wird die 30 halten?
Masse ist nicht alles. Keine Panik also, kein SOS ORF? Vielleicht doch. Zugleich liegt unser öffentlich-rechtlicher Rundfunk nämlich auch in diesem Jahr bei den Werbeeinnahmen deutlich unter Plan. Es droht beim Budget so wie im Vorjahr ein kräftiges Minus, obwohl erst 2008 die Gebühren erhöht worden sind. Mehr als eine halbe Milliarde Euro machen die Beiträge der Seher aus. Das ist offenbar immer noch zu wenig. Es gilt heute schon als Erfolg, wenn das Defizit nicht 100, sondern weniger als 50 Millionen Euro beträgt.
Noch mehr Werbezeit? Wie also sieht die Konsequenz aus? Noch mehr Werbezeit? Noch höhere Gebühren? Lächerlich! Ausschlaggebend wird neben ernsten Verschlankungsversuchen sein, wohin Wrabetz und sein Team mit dem Programm steuern. Bei Eigenproduktionen zu sparen und stattdessen mit noch billigeren Serienimporten auf Quote zu schielen, ist der falsche Weg. Der ORF als Luxusalternative zu Pro7 oder Sat1 ist verzichtbar. Aus Soap können kommerzielle Sender wesentlich besser Kapital schlagen als eine vergleichsweise regionale Anstalt, die nur in einer Kategorie mehr Masse hat – an Mitarbeitern und Kosten für diese.
Vielleicht ist es gerade in harten Zeiten nötig, eine wirklich große Programmreform durchzuziehen. Quote muss für einen staatlichen Sender mit Bildungsauftrag tatsächlich nicht ausschlaggebend sein. 40 Prozent sind bereits Illusion, 30 Prozent noch lange nicht sicher. In Deutschland liegen ARD und ZDF derzeit bei rund zwölf Prozent. Tendenz also fallend. Dann aber sollten sich gebührenfinanzierte Sender, die in der aktuellen Medienlandschaft immer mehr zu Exoten werden, auf Qualität und regionale Kompetenz konzentrieren.
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Medienbericht
FILMRISS. Das Finanzdebakel des ORF schlägt sich auf Österreichs Filmwirtschaft nieder
In der aktuellen Ausgabe des "trend" berichtet Peter Sempelmann über den drohenden Kahlschlag für Österreichs Filmschaffende
Darin heisst es u.a.: Der ORF hat "sich angesichts seiner Probleme ein Sparprogramm auferlegt und sein Budget für Fernsehfilmproduktionen dramatisch reduziert. (...) Das Auftragsvolumen für Filmproduktionen wurde dafür drastisch um 42,1 Prozent, von 26,13 Millionen auf 15,13 Millionen Euro, gekürzt. Jetzt setzt der ORF erneut den Rotstift an. Die Mittel für Fernsehfilmproduktionen wurden um weitere 25 Prozent reduziert. Damit wäre das gesamte verfügbare Budget bereits an diverse vertraglich fixierte Produktionen gebunden. Eigenständige österreichische Produktionen (...) kann sich der Sender nicht mehr leisten."
Den gesamten Artikel von Peter Sempelmann finden Sie in der aktuellen Ausgabe des „trend“ (08/2009)
Darin heisst es u.a.: Der ORF hat "sich angesichts seiner Probleme ein Sparprogramm auferlegt und sein Budget für Fernsehfilmproduktionen dramatisch reduziert. (...) Das Auftragsvolumen für Filmproduktionen wurde dafür drastisch um 42,1 Prozent, von 26,13 Millionen auf 15,13 Millionen Euro, gekürzt. Jetzt setzt der ORF erneut den Rotstift an. Die Mittel für Fernsehfilmproduktionen wurden um weitere 25 Prozent reduziert. Damit wäre das gesamte verfügbare Budget bereits an diverse vertraglich fixierte Produktionen gebunden. Eigenständige österreichische Produktionen (...) kann sich der Sender nicht mehr leisten."
Den gesamten Artikel von Peter Sempelmann finden Sie in der aktuellen Ausgabe des „trend“ (08/2009)
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Medienbericht
ORF: Geld macht Programm
Geldnot, ein absurdes Bilanzierungssystem und politische Händel hindern den ORF daran, bereits fertig produzierte TV-Beiträge zu senden. Ein Kommentar von Peter Sempelmann im trend
Eine Groteske der besonderen Art lähmt den ORF. Ein veraltetes Abschreibungsmodell macht es dem Sender schwer, neue, selbst produzierte und aus Rundfunkgebühren finanzierte Beiträge zu zeigen. Die Erklärung dafür ist einfach und absurd: Der ORF nimmt seine Produktionen in der Bilanz ins Umlaufvermögen auf und stellt diesem Wert die Produktionskosten gegenüber. So bleibt das Material kostenneutral bis zum ersten Sendetermin. Dann wird es allerdings zu hundert Prozent abgeschrieben. Angesichts der Finanzmisere kann die für die Zuteilung der Sendebudgets zuständige kaufmännische Direktorin Sissy Mayerhoffer für die oft mehrere hunderttausend Euro teuren Produktionen keine freigaben erteilen, weil diese dann in der Bilanz schlagend würden und das Defizit weiter ansteigen ließen. In der Mitte Juli veröffentlichten Bilanz für 2008 weist der ORF einen Konzernverlust von 79,81 Millionen Euro und im Einzelabschluss ein Minus von 104,43 Millionen Euro aus. In den Büchern schlägt der inzwischen für beinahe zwei Jahre reichende Vorrat an Eigenproduktionen mit rund 60 Millionen Euro zu Buche. Die Ausstrahlung würde die Jahresbilanz also mit weiteren 30 Millionen belasten.
De facto bestimmt daher die kaufmännische Direktorin das Programm, was aber eigentlich die Domäne des Programmdirektors Wolfgang Lorenz wäre. Deshalb vermuten Insider dahinter auch politische Machtspielchen. Programmchef Lorenz übt aber trotz der Tatsache, dass er stets um Sendebudgets kämpfen muss, nur leise Kritik: „Natürlich wäre es in der jetzigen Situation leichter, wenn es eine progressive Abschreibung, etwa 50 Prozent für die Erstausstrahlung, 30 Prozent für die zweite und 20 Prozent für die dritte, gäbe. Die Entscheidung dafür obliegt jedoch dem Generaldirektor, der als ehemaliger Finanzchef sicher weiß, was er tut.“ Eine Änderung des seit Jahrzehnten praktizierten Vorgehens würde die Belastungen zudem nur in die Folgejahre verschieben. Lorenz: „Wir würden dem Dreck damit nur eine watsche geben.“
Werner Müller, Chef des Fachverbands der Filmindustrie, meint jedoch: „Geförderte Produktionen könnte der ORF auf sieben Jahre abschreiben. Es gibt Filme mit Zeitbezug, etwa auf einen Kanzler Gusenbauer, die noch nicht einmal ausgestrahlt wurden.“
Eine Groteske der besonderen Art lähmt den ORF. Ein veraltetes Abschreibungsmodell macht es dem Sender schwer, neue, selbst produzierte und aus Rundfunkgebühren finanzierte Beiträge zu zeigen. Die Erklärung dafür ist einfach und absurd: Der ORF nimmt seine Produktionen in der Bilanz ins Umlaufvermögen auf und stellt diesem Wert die Produktionskosten gegenüber. So bleibt das Material kostenneutral bis zum ersten Sendetermin. Dann wird es allerdings zu hundert Prozent abgeschrieben. Angesichts der Finanzmisere kann die für die Zuteilung der Sendebudgets zuständige kaufmännische Direktorin Sissy Mayerhoffer für die oft mehrere hunderttausend Euro teuren Produktionen keine freigaben erteilen, weil diese dann in der Bilanz schlagend würden und das Defizit weiter ansteigen ließen. In der Mitte Juli veröffentlichten Bilanz für 2008 weist der ORF einen Konzernverlust von 79,81 Millionen Euro und im Einzelabschluss ein Minus von 104,43 Millionen Euro aus. In den Büchern schlägt der inzwischen für beinahe zwei Jahre reichende Vorrat an Eigenproduktionen mit rund 60 Millionen Euro zu Buche. Die Ausstrahlung würde die Jahresbilanz also mit weiteren 30 Millionen belasten.
De facto bestimmt daher die kaufmännische Direktorin das Programm, was aber eigentlich die Domäne des Programmdirektors Wolfgang Lorenz wäre. Deshalb vermuten Insider dahinter auch politische Machtspielchen. Programmchef Lorenz übt aber trotz der Tatsache, dass er stets um Sendebudgets kämpfen muss, nur leise Kritik: „Natürlich wäre es in der jetzigen Situation leichter, wenn es eine progressive Abschreibung, etwa 50 Prozent für die Erstausstrahlung, 30 Prozent für die zweite und 20 Prozent für die dritte, gäbe. Die Entscheidung dafür obliegt jedoch dem Generaldirektor, der als ehemaliger Finanzchef sicher weiß, was er tut.“ Eine Änderung des seit Jahrzehnten praktizierten Vorgehens würde die Belastungen zudem nur in die Folgejahre verschieben. Lorenz: „Wir würden dem Dreck damit nur eine watsche geben.“
Werner Müller, Chef des Fachverbands der Filmindustrie, meint jedoch: „Geförderte Produktionen könnte der ORF auf sieben Jahre abschreiben. Es gibt Filme mit Zeitbezug, etwa auf einen Kanzler Gusenbauer, die noch nicht einmal ausgestrahlt wurden.“
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