Aktuelle Neuigkeiten zu den Forderungen
Biennale: Der Erfolgslauf des österreichischen Films setzt sich fort!
Im Wettbewerb am Lido wird Jessica Hausner mit ihrem neuen Film "Lourdes“ (coop99) vertreten sein. Hausner erzählt in "Lourdes" die Geschichte einer jungen Frau, die bei einer Pilgerfahrt nach Lourdes Heilung nicht nur im körperlichen Sinn, sondern auch seelisch erfährt. Die zuletzt gehäuften Auszeichnungen für österreichische Filme - von Ruzowitzkys Oscar über Spielmanns Oscar-Nominierung bis zu Hanekes Goldener Palme im Mai - hätten den hiesigen Filmemachern zweifellos einen enormen Schub gegeben: "Durch diese Erfolge“, so Jessica Hausner in einem Kurier-Bericht, „ist eine unglaubliche Dynamik entstanden, ein Schneeballeffekt. Das Selbstbewusstsein der Filmemacher wurde gestärkt. Da sieht man erst, was für ein riesiges kreatives Potenzial vorhanden ist."
In der Sektion Orizzonti laufen Peter Schreiners "Toto" (echt.zeit.film) und eine weitere coop99-Koproduktion: "Pepperminta" der Schweizer Künstlerin Pipilotti Rist, eine unkonventionelle Frauengeschichte mit Elisabeth Orth. In den Giornale degli Autori startet Sherry Hormanns "Wüstenblume" (DOR Film), die Verfilmung des Lebens der Menschenrechtlerin Waris Dirie. Und in der Settimana della critica zeigt Patric Chiha die Beziehungsgeschichte "Domaine" (WILDart Film) mit Sylvie Rohrer.
ORF-Enquete für Filmwirtschaft thematisch unbefriedigend
Der Fachverband der Film- und Musikindustrie hat in Briefen an Staatsekretär Josef Ostermayer (SPÖ) und ÖVP-Klubchef Karlheiz Kopf zur Tagesordnung und Teilnehmerliste der für 17.September geplanten parlamentarischen "ORF-Enquete" Stellung genommen. Diese werde in der Öffentlichkeit als Startschuss und Inputgeber für die für Herbst in Ausssicht gestellte ORF-Gesetznovelle wahrgenommen. Die vorrangig zu lösenden ORF-Probleme werden aber gemäß der Tagesordnung gar nicht zur Debatte gestellt. Weder stehe die reformbedürftige Struktur des ORF zur Diskussion noch der öffentlich-rechtliche Programmauftrag und seine notwendige Neudefinition sowie quantitative und qualitative Aufwertung. FAF-Geschäftsführer Werner Müller und der Obmann des Fachverbandes, Danny Krausz, der die Film- und Musikindustrie bei der Enquete vertreten wird, bedauern die verpasste Gelegenheit, mit der Equete eine breite Diskussionsbasis für die dringlichen Strukturmaßnahmen im ORF zu eröffnen, die eine Basis für die kommende Novelle sein müsste.
(Nachtrag: Danny Krausz hat die Österreichische Filmwirtschaft bei der ORF-Enquete vertreten. Lesen Sie hier den Originalwortlaut seine Rede.)
ORF: Uneinigkeit über neues Gesetz
ORF-Enquete im Parlament
Für die Teilnahme an dieser Enquete sollen laut Parlamentskorrespondenz „alle relevanten Markteilnehmer, internationale Experten sowie Vertreter von Interessensverbänden eingebunden werden. Sie sollen gemeinsam die Zielsetzungen einer Gesetzesnovellierung diskutieren.“
Die Diskussion soll in drei Themenblöcke geteilt werden. Zunächst sind grundsätzliche Statements von den beiden Klubobmännern Josef Cap (SPÖ) und Karlheinz Kopf (ÖVP), von den Mediensprechern von FPÖ, BZÖ und Grünen sowie von den Staatssekretären Josef Ostermayer (SPÖ) und Reinhold Lopatka (ÖVP) geplant. Über die Zukunftschancen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks aus europäischer Sicht diskutieren im Anschluss daran internationale ExpertInnen mit der EU-Kommissarin Nellie Kroes. Der dritte Themenblock ist der Frage nach den Rahmenbedingungen für die Medienvielfalt in Österreich gewidmet. Dazu sind Impulsreferate von ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz und Horst Pirker, Präsident des VÖZ, vorgesehen.
Noch viel zu vage geht aus dem Antrag hervor, ob und wie der öffentlich-rechtliche Programmauftrag jenseits des Informationsauftrags an der Enquete diskutiert werden soll, insbesondere die Forderung der österreichischem Filmwirtschaft und Filmschaffenden nach 25% des Programmentgelts für die Produktion österreichischer Fernsehfilme, -serien und –dokumentationen, die auf die Konkretisierung und Festschreibung des bestehenden gesetzlichen Programmauftrags abzielt, den der ORF im Zuge der aktuellen Sparmaßnahmen praktisch nicht mehr erfüllt. Für die Herstellung von Eigen- und Koproduktionen ist in den Budgets für 2010 und 2011 nicht einmal mehr die Hälfte des 2008er-Budgets eingeplant; zudem macht der ORF – wie Kommunikationschef Pius Strobl jüngst gegenüber der „Presse“ erklärte – die Fortsetzung des Film/Fernsehabkommens neuerlich davon abhängig, ob die Republik dem ORF die versprochene Rundfunk-Gebührenrefundierung abgibt und wie sich der Werbemarkt entwickelt.
Die Reform des ORF-Gesetzes muss bis 19. Dezember dieses Jahres beschlossen werden. Die Enquete ist für die Öffentlichkeit zugänglich. Bild- und Tonaufnahmen sind zulässig.
Pressekonferenz: Gemeinsam für einen unabhängigen ORF!
Am 22.06.2009 fand im Presseclub Concordia die Pressekonferenz "Gemeinsam für einen unabhängigen ORF!" statt. Die Vertreter der Initiativen für den ORF, darunter auch die „Plattform Filmwirtschaft und Filmkultur mit dem ORF“, informierten über gemeinsame Vorhaben.
Lesen Sie hier die PK-Unterlage der Plattform nach:
Forderungen der österreichischen Filmwirtschaft an eine Novelle
zum ORF-Gesetz
1) Mit der Forderung nach hoher öffentlich-rechtlicher Programmqualität beharrt die INITIATIVE PRO ORF nur auf der Einhaltung bestehender gesetzlicher Bestimmungen. Schon im geltenden ORF Gesetz (§4) sind u.a. die „Vermittlung eines vielfältigen kulturellen Angebots“, die „Förderung der österreichischen Identität“ sowie der „österreichischen künstlerischen und kreativen Produktion“ festgeschrieben. Allerdings so unverbindlich, dass dieser Programmauftrag faktisch nicht oder nur kaum erfüllt werden muss. Zudem gibt es keine Kontrollmechanismen, die die Erfüllung dieser gesetzlichen Verpflichtung gewährleisten könnten.
Die Identität eines demokratisch verfassten Staates und seiner Bürger entwickelt sich nicht nur im politischen, kulturellen und (zivil-)gesellschaftlichen Diskurs, zu dem ein unabhängiger, öffentlicher Rundfunk mit seinen Informationsprogrammen einen wesentlichen Beitrag leistet. Nationale und kulturelle Identität wird insbesondere auch durch österreichische Programminhalte bei fiktionalen Produktionen hergestellt: über österreichische Geschichten und über österreichische Schauspieler, die in Fernsehfilmen und Serien zu erleben und zu sehen sind.
Für Eigen- und Koproduktionen mit österreichischen Programminhalten stehen im ORF aber immer weniger Mittel zur Verfügung. Zur Zeit machen die ORF-eigenen Aufwendungen für österreichspezifische TV-Serien, Fernsehfilme und Dokumentationen bloß noch 4% des Umsatzes aus. Das führt u.a. dazu, dass die Zuschauer des ORF-Programms schon heute nicht einmal einen österreichischen TV-Film pro Monat zu sehen bekommen.
Der ORF muss daher im Zuge der Novellierung des ORF-Gesetzes zur Einhaltung seines öffentlichen-rechtlichen Programmauftrags durch Konkretisierungen und Quantifizierungen dieses Auftrags verpflichtet werden. Und zwar dergestalt, dass 25% des Programmentgelts dafür zu verwenden sind, österreichische Fernseh-Filme, TV-Serien und -Dokus bei österreichischen Filmherstellern in Auftrag zu geben oder in entsprechendem Umfang in Koproduktionen mit der österreichische Filmwirtschaft zu investieren.
2) Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist aber nicht nur Produzent von Fernsehprogrammen, sondern auch ein vielseitiger wirtschaftlicher Anreger für zahlreiche Branchen und darin ein wichtiger Partner in einer hochdifferenzierten Kulturwirtschaft, insbesondere auf dem Gebiet des Kinofilms.
Vor diesem Hintergrund wurde 1981 zwischen dem ORF und dem Österreichischen Filminstitut das sog. Film/Fernseh-Abkommen geschlossen, das die Förderung der österreichischen Kinofilmproduktion zum Ziel hat sowie die Ausstrahlung österreichischer Kinofilme via Fernsehen ermöglicht, sodass auch jene Österreicherinnen und Österreicher, die selten oder keine Möglichkeit haben ins Kino zu gehen, diese Filme sehen können. Die großen internationalen Erfolge, die der österreichische Film in den letzten Jahren feiern konnte, sind maßgeblich auch ein Ergebnis dieser Zusammenarbeit zwischen Filmwirtschaft und ORF. Obwohl der ORF jüngst von der Kündigung Abstand genommen hat, bleibt die Ungewissheit bestehen, das erst 2006 neugefasste Abkommen, je nach wirtschaftlicher Lage des ORF, mit Mitteln auszustatten oder nicht.
Um diese für die österreichische Filmkultur viel zu vage Perspektive in konkrete Gegebenheiten zu verwandeln, muss das Film/Fernseh-Abkommen zwischen ÖFI und ORF gesetzlich fixiert und mit einem Mindestbetrag von jährlich € 10 Mio seitens des ORF wertgesichert dotiert werden. Nur damit ist sichergestellt, dass der ORF auch in Zukunft seiner Rolle als Partner in der Produktion des österreichischen Kinofilms gerecht wird.