Aktuelle Neuigkeiten zu den Forderungen
FILM-MIT-ORF: Erfolgreiche Einigung zwischen Filmwirtschaft und ORF
"Die erzielte Grundsatzeinigung“, so ORF-Generaldirektor Dr. Alexander Wrabetz, „ist ein wichtiger Meilenstein für die Stärkung des Produktionsstandorts Österreich. Auf ihrer Basis kann die erfolgreiche Partnerschaft zwischen der österreichischen Filmwirtschaft und dem ORF weiterentwickelt und trotz der schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen langfristig abgesichert werden“.
Mit der nun erzielten Einigung, die den ursprünglichen Forderungen der österreichischen Filmwirtschaft und Filmschaffenden nahe kommt, konnte der drohende Kahlschlag in der österreichischen Filmwirtschaft abgewendet werden:
- Durch die für die nächsten 4 Jahre sicher gestellte Fortführung und Aufstockung des Film/Fernsehabkommens ist die Basis für die Fortsetzung der Erfolgsgeschichte des Österreichischen Kinofilms gelegt.
- Mit dem gegenüber der ursprünglichen ORF-Planung für 2010 nun um rund 30 Millionen erhöhten Vergabevolumen an die österreichische Filmwirtschaft ist die Aufrechterhaltung der öffentlich-rechtlichen Programmqualität und –quantität (insbesondere im Hinblick auf die nationale Fernsehfilm- und Serienproduktion) zumindest für die kommenden zwei Jahre gewährleistet.
Die österreichischen Filmschaffenden möchten sich hiermit bei den zahlreichen UnterstützerInnen ihrer Anliegen ebenso bedanken wie bei den verantwortlichen Vertretern in der Regierung und beim ORF, die diese für die österreichische Filmkultur und den öffentlich-rechtlichen Rundfunk begrüßenswerte Lösung durch konstruktive Verhandlungen ermöglicht haben.
ORF: SPÖ und ÖVP einigen sich auf neues Gesetz
Von Isabella Wallnöfer und Patricia Käfer (Die Presse)
Montag, 17 Uhr, kam die Erfolgsmeldung: ÖVP und SPÖ haben sich auf ein neues ORF-Gesetz geeinigt. Und: Der ORF erhält, beginnend ab 2010, eine Refundierung für die ihm durch Gebührenbefreiungen entgangenen Einnahmen: 160 Millionen Euro insgesamt wird der Öffentlich-Rechtliche erhalten, wie die „Presse" aus Verhandlerkreisen erfuhr. 2010 und 2011 werden 50 Millionen Euro ausgeschüttet, die beiden darauf folgenden Jahre je 30 Millionen.
Bedingung für den warmen Geldregen: Das Film-Fernseh-Abkommen ist „in voller Höhe abzusichern" (auf dem derzeitigen Niveau von 5,9 Millionen Euro), das Radio-Symphonieorchester (RSO) ebenfalls. Der Anteil der österreichischen fiktionalen Produktionen soll „kontinuierlich steigen", der Informations- und Kultur-Spartenkanal soll damit finanziert werden. Und: Modernisierung, Effizienzsteigerung und Kosteneffizienz müssten weiter in Angriff genommen werden, heißt es.
Im Bereich Online-Werbung hat sich die SPÖ gegen den Wunsch der ÖVP (sie wollte eine deutliche Beschränkung) durchgesetzt: Dem ORF wird ein Limit auferlegt, das nicht allzu weh tun sollte: Maximal zwei Prozent der Gebühreneinnahmen dürfe er künftig über Onlinewerbung einnehmen, heißt es - nach derzeitigem Stand der Dinge wären das 10,6 Millionen Euro. Laut Finanzplan 2010, der am Sonntag dem Stiftungsrat zugestellt wurde, rechnet ORF-Chef Alexander Wrabetz mit Einnahmen aus Onlinewerbung von 10,4 Millionen Euro.
Die neue Medienbehörde soll in Verfassungsrang gestellt werden und künftig die Einhaltung der Bedingungen für die Gebührenrefundierung sowie die Gebührenhöhe überprüfen.
Bei den ORF-Organen konnten sich die Regierungsparteien auf keinerlei Änderungen einigen: Hier bleibt alles wie gehabt. Es wird keinen kleineren Aufsichtsrat geben - womit auch der dringenden Forderung des Rechnungshofs, man müsse das oberste Kontrollorgan des ORF kleiner und funktionstüchtiger gestalten, nicht Rechnung getragen wird. Die teure Faxwahl von sechs Mitgliedern des Publikumsrats bleibt.
Entgegen ursprünglichen Plänen der SPÖ steht nun keine sofortige Neuausschreibung der ORF-Geschäftsführung im Gesetz. Das bedeutet: ORF-Chef Wrabetz bleibt bis zum Ende seiner Amtsperiode 2011. Nicht offiziell, aber hinter den Kulissen ausgedealt wurde hingegen eine Neubesetzung der ORF-Finanzdirektion: Richard Grasl vom Landesstudio Niederösterreich wird Sissy Mayerhoffer ersetzen.
SP-Medienstaatssekretär Josef Ostermayer schickt das Gesetz Mittwoch früh in Begutachtung.
Am Montag wurde der Finanzplan des ORF für 2010 publik. Einige Zahlen im Detail:
► Die Umsatzerlöse fallen laut Finanzplan 2010 auf 848,7 Mio. € (-8,4 Mio. gegenüber der Vorschau 2009), die Erlöse aus Werbung (ohne Sonderwerbeformen) sinken um 12,2 auf 208,2 Mio. €, jene aus dem Programmentgelt steigen um 4,1 auf 530,1 Mio. €.
► Der Personalaufwand sinkt um 51,7 auf 333,7 Mio. €. Der Personalstand des ORF und seiner Töchter soll von 4140 auf 3932 Vollzeitbeschäftigte sinken (3.303 im ORF, 629 in den Töchtern).
► Das Eigenkapital sinkt kontinuierlich: von 181,9 Millionen Euro 2008 auf 93 Mio. 2010. Gleichzeitig haben sich die Verbindlichkeiten nahezu verdoppelt: von 126 auf 221,3 Mio. €.
► Die Kosten für die Informations-Direktion werden 2010 auf 152,9 Mio. € steigen (2009: 150,9). Der größte Brocken davon entfällt auf den Sport mit 80,4 Mio. €.
► Die Programmdirektion muss eine Kürzung auf 175,6 Mio. € hinnehmen (2008 waren es noch 213,2 Mio.).
Einladung zur Pressekonferenz
Österreichische Filmregisseure und Filmproduzenten laden am Montag, 16.11.2009 um 10:00 Uhr, zur Pressekonferenz im Presseclub CONCORDIA
Die Novellierung des ORF-Gesetzes bietet die Chance, Natur, Sinn und Legitimation des öffentlichrechtlichen Rundfunks in einem dezidierten Programmauftrag klarzulegen, der die Aufrechterhaltung und Optimierung der Programmqualität sowohl im Informationsbereich als auch im Unterhaltungsbereich gewährleisten kann, sowie – in Erfüllung des erweiterten Kulturauftrags - die Fortsetzung der jüngsten Erfolge des österreichischen Kinofilms ermöglicht.
Die Produktion professioneller informationsjournalistischer, dokumentarischer und fiktionaler Sendungen ist die zentrale Leistung, die das Publikum vom ORF verlangt. Sie wird von österreichischen RegisseurInnen und Produzenten erbracht, die Ihnen an der Pressekonferenz näher erläutern, unter welchen notwendigen Rahmenbedingungen diese Leistung auch in Zukunft erbracht werden kann und warum der Gesetzgeber gefordert ist, diese Rahmenbedingungen im Zuge der Novelle des ORF-Gesetzes festzulegen.
Als Gesprächspartner stehen Ihnen
Stefan Ruzowitzky, Rupert Henning, Götz Spielmann, Kurt Stocker und Alfred Noll
stellvertretend für zahlreiche anderen Regisseure und Produzenten zur Verfügung.
Wir freuen uns, Sie bei der Pressekonferenz begrüßen zu dürfen und bitten um Anmeldung via E-Mail an plattform@film-mit-orf.at oder telefonisch unter 0664 114 68 80.
Österreichische Star-Regisseure und Filmproduzenten stellen sich massiv gegen den drohenden großkoalitionären ORF-Deal.
(Wien, 12.11.2009) Die österreichischen Filmschaffenden haben in wiederholten Gesprächen mit den verantwortlichen Politikern immer wieder eindringlich davor gewarnt, dem ORF zusätzliche finanzielle Mittel ohne klare, gesetzliche Auflagen zu gewähren. Genau darauf sind aber ÖVP und SPÖ bei den gestern und heute stattfindenden Parteienverhandlungen offenbar jetzt eingeschwenkt.
Das bedeutet:
- die Verschwendung von Steuergeldern: Ohne definitive gesetzliche Festschreibung, dass 25% der GIS-Gebühren für österreichische Eigen- und Koproduktionen zu verwenden sind, dienen diese Mittel nur der Aufrechterhaltung veralterter Struktur und kommen nicht der Programmproduktion und ihrer quantitativen wie qualitativen Steigerung zugute.
- den Verrat am Publikum: Österreichische TV-Filme, Serien und Dokus zählen unzweifelhaft zu den beliebtesten Sendungen des ORF. Über 1 Million österreichische Kinobesucher haben 2009 zudem mit Nachdruck ihre Leidenschaft für die heimische Filmkultur bekundet. Ohne die gesetzliche Festschreibung des Film-Fernseh-abkommens und eine wertgesicherte Dotierung seitens des ORF von mindestens 10 Millionen ist der heimische Kinofilm in seiner Existenz massiv bedroht.
- Insolvenzen in der heimischen Filmwirtschaft: Der Plan, die Gebührenrefundierung darüber hinaus erst 2011 wirksam werden zu lassen und die deutliche Reduktion des ordentlichen ORF-Produktionsbudgets erhöht das Insolvenz-Risiko in der österreichischen Filmwirtschaft enorm und bedeutet, dass bereits geplante und zum Teil geförderte und in Vorbereitung befindliche Filmprojekte weder im TV noch im Kino realisiert werden können. Sämtliche Bemühungen der Regierung den großartigen internationalen Erfolgen in Cannes, Venedig und bei den Oscars durch gezielte Kinofilmförderung gerecht zu werden, sind ohne verpflichtenden Auftrag des ORF nahezu wertlos.
- die fahrlässige Demontage des öffentlich-rechtlichen Auftrags: Wenn der Regierung der Programmauftrag des ORF mehr als nur ein Lippenbekenntnis wert ist, dann muss sie ihn - wie von den Filmmachern vorgeschlagen - konkretisiert ins Gesetz schreiben.
Die notwendigen finanziellen Mittel müssen zeitnah (also bereits für 2010) zur Verfügung gestellt werden.
Nur die gesetzliche Festschreibung garantiert und sichert die öffentlich-rechtliche Programmqualität, mehr und besseres österreichisches Programm für österreichische Gebühren sowie den Fortbestand des österreichischen Kinofilms.
Die österreichischen FilmregisseurInnen und Produzenten, namentlich
Michael Haneke, Stefan Ruzowitzky, Götz Spielmann, Rupert Henning, Barbara Albert, Jessica Hausner, Michael Kreihsl, Danny Krausz, Helmut Grasser, Heinrich Ambrosch, Veit Heiduschka
sowie zahlreiche andere Filmschaffende fordern die zuständigen politischen EntscheidungsträgerInnen erneut und mit großem Nachdruck dazu auf, für die entsprechenden Rahmenbedingungen zu sorgen und diese in der Novelle des ORF-Gesetzes festzuschreiben.
Claudia Schmied: "Film-Fernsehabkommen muss ins ORF-Gesetz"
Wien (OTS) - Im Zusammenhang mit der Novellierung des ORF-Gesetzes betont Kulturministerin Claudia Schmied erneut die Bedeutung des Film-Fernsehabkommens: "Das Film-Fernsehabkommen mit dem ORF ist ein essentieller und unverzichtbarer Bestandteil der österreichischen Filmförderung. Für die langfristige Absicherung dieser erfolgreichen Zusammenarbeit ist eine gesetzliche Verankerung des Film-Fernsehabkommens wichtig. Gerade im Zusammenhang mit einer Gebührenrefundierung muss dieser wichtige Bestandteil des öffentlich rechtlichen Auftrags klar festgeschrieben werden", so Schmied.
Das Kulturministerium hat das Budget des Österreichischen Filminstituts seit 2006 um 70 Prozent auf 16,5 Millionen im Jahr 2010 erhöht und die Förderung für den innovativen Film auf zwei Millionen Euro verdoppelt. Würde die Kooperation mit dem ORF in Höhe von 5,9 Millionen Euro jährlich beendet, so wäre die positive Entwicklung der Filmförderung die die ökonomische Basis der großen nationalen und internationalen Erfolge des österreichischen Films darstellt, dramatisch gebremst. Darüber wurde auch im Kulturausschuss mit breiter Zustimmung diskutiert. "Gemeinsam mit der Kultursprecherin der ÖVP weiß ich mich hier in einem Boot", so Schmied.
Weiters betont Claudia Schmied die Bedeutung eines angemessen dotierten Produktionskostenzuschuß-Modelles nach deutschem Vorbild. Alle Bestrebungen in diese Richtung werden vom Kulturministerium mit voller Kraft unterstützt.
Auch ÖVP-Mediensprecher Karlheinz Kopf für „umfassende Aufrechterhaltung der Dotierung des Film-Fernsehabkommens“
Wien (OTS/ÖVP-PK) - Die ÖVP hat vor wenigen Tagen zugestimmt, dass dem ORF in den nächsten Jahren aus Bundesmitteln erhebliche Beträge zugeführt werden. Als finanzielle Hilfe für eine dringend notwendige und erfolgreiche Restrukturierung des Unternehmens. Das wird aber nur unter Erfüllung einer klaren Bedingung erfolgen: dass der ORF seinen öffentlich-rechtlichen Programmauftrag weiterhin erfüllt. Und zwar in vollem Umfang. Dazu gehört unter anderem untrennbar die umfassende Aufrechterhaltung der Dotierung des Film-Fernsehabkommens. Das sagte heute, Mittwoch, ÖVP- Mediensprecher Klubobmann Karlheinz Kopf zu den heute in der APA veröffentlichten Forderungen von Kulturministerin Claudia Schmied.
Heimische Filmschaffende fordern Anteil an Gebühreneinnahmen
Wien. (iw) "Wir sind natürlich nicht die Autoindustrie", sagt Wolfgang Reiter von der Plattform "Filmwirtschaft und Filmkultur mit dem ORF" zur "Wiener Zeitung". Trotzdem, die österreichische Filmwirtschaft ist eine wichtige Wertschöpfungskette, die gefördert werden müsse, nicht zuletzt von einem öffentlich-rechtlichen Sender.
Reiter und mit ihm alle Verbände der Filmbranche, die sich im Sommer zu einer Plattform zusammengetan haben, fordern die Regierung und den ORF auf, 25 Prozent der Gebühreneinnahmen dafür zu verwenden, österreichische TV-Filme, Serien und Dokumentationen bei österreichischen Produzenten in Auftrag zu geben oder in Koproduktion mit der österreichischen Filmwirtschaft herzustellen. Weiters sollen zehn Millionen Euro als Mindestbetrag für die nationale Kinofilmförderung verwendet werden. Die Zweckwidmung der Gebührengelder soll in der Novelle des ORF-Gesetzes festgeschrieben werden.
"Sparkurs bedroht Existenz der Filmschaffenden"
Die Gebührenrefundierung von 60 Millionen Euro jährlich soll laut Plattform dem ORF sofort ausbezahlt werden und nicht, wie die ÖVP es zulässt, frühestens 2011 und dann auch nur in Etappen. "Für alle Filmschaffenden ist der derzeitige Sparkurs existenzbedrohend", sagt Reiter. Viele heimische Produktionen würden für das Jahr 2010 auf Eis liegen.
Medienstaatssekretär Josef Ostermayer (SPÖ) meinte schon im Sommer gegenüber der "Wiener Zeitung": "Eine Einigung bei der Gebührenrefundierung bedeutet mehr Geld für Programm im ORF und damit auch mehr Geld für österreichische Produktionen. Derzeit werden Mittel aus dem Programmbereich für Strukturreformen verwendet." Der Filmwirtschaft kann laut SPÖ "sofort mehr Geld" zugeführt werden. Auf eine prozentuelle Fixierung wolle man sich aber nicht festlegen.
ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz hält von einer Zweckwidmung der Gebührengelder wenig, zeigt sich aber gesprächsbereit: "Es wird Gespräche mit den Filmschaffenden geben, wie wir etwaige zusätzliche Mittel in einem möglichst hohen Ausmaß für österreichische Filmproduktionen einsetzen können." Laut Wrabetz soll es bereits nächste Woche ein Gespräch geben. Für 2009 sind laut ORF 80 Millionen Euro für Eigen-, Auftrags- und Co-Produktionen geplant.
Die Film- und Fernsehwirtschaft hält dem entgegen, dass für Spielfilme, Serien und Dokus lediglich 45 Millionen Euro im Jahr ausgegeben werden. Das sind fünf Prozent vom Gesamtbudget. Damit sei Österreich Schlusslicht in Europa.
(„Wiener Zeitung“ vom Mittwoch, 11. November 2009)
ÖSTERREICHISCHES PROGRAMM FÜR ÖSTERREICHISCHE GEBÜHREN
(Wien, 9.November 2009) Der aktuelle Vorstoß der ÖVP, einer Refundierung der Gebührenbefreiung unter der Auflage zuzustimmen, dass der ORF diese Mittel ausschließlich für österreichische Programmproduktion verwendet, eröffnet die Chance, dass der ORF auch in der finanziell angespannten Situation seinen öffentlich-rechtlichen Programmauftrag in den nächsten Jahren wieder (besser) erfüllt. Der Vorstoß kommt den Interessen des ORF-Publikums entgegen, da österreichische Spielfilme, Serien und Dokumentationen zu den beliebtesten Programmen zählen und der ORF nur mit einem dezidiert nationalen Programm seine exklusive, unverwechselbare Position in der Medienlandschaft halten bzw. wieder erreichen kann, statt sich durch die Sendung von ausländischen Kauf-Programmen, die in den deutschen Programmen ohnehin oft auch noch zeitgleich von allen Österreichern empfangbar sind, ad absurdum zu führen.
Die österreichischen Filmschaffenden begrüßen diesen Vorstoß, der wieder Bewegung in die festgefahrenen Positionen der Regierungsparteien bringt, halten aber weiter an ihren Forderungen fest, dass unbeschadet dessen
1. der ORF gesetzlich verpflichtet werden muss, 25% der Gebühreneinnahmen dafür zu verwenden, österreichische TV-Filme, -Serien und -Dokumentationen bei österreichischen Produzenten in Auftrag zu geben oder in Koproduktion mit der österreichischen Filmwirtschaft herzustellen
2. auch das Film/Fernseh-Abkommen – als dritte Säule der nationalen Kinofilmförderung – gesetzlich fixiert und seitens des ORF mit einem Mindestbetrag von jährlich € 10 Millionen wertgesichert dotiert werden muss (das sind nicht einmal 0,35% des ORF-Umsatzes).
Denn nur entsprechende gesetzliche Festschreibungen können auf Dauer (unabhängig von der je aktuellen Unternehmensführung und politischen Mehrheitsverhältnissen) garantieren, dass der ORF nicht nur zusätzliche Mittel zweckgebunden verwendet, sondern auch in seinem regulären Budget die nötigen Mittel bereitstellt, um
- die Aufrechterhaltung und Optimierung der öffentlich-rechtlichen Programmqualität sowohl im Informationsbereich (Bildung und Zeitgeschehen; Magazine und Servicesendungen; Kultur; Religion) als auch im Unterhaltungsbereich (Fernsehfilm; Film und Serien) gewährleisten zu können, sowie
- die Fortsetzung der jüngsten Erfolge des österreichischen Kinofilms zu ermöglichen.
Da die derzeitigen Restrukturierungsmaßnahmen des ORF (noch) nicht ausreichen, um die zur Erfüllung der Forderungen notwenigen Mittel allein aus dem regulären Budget zu bestreiten und weiter sinkende Werbeeinnahmen Restrukturierungseffekte zunichte zu machen drohen, fordern die österreichische Filmwirtschaft und die österreichischen Filmschaffenden die Bundesregierung auf, die zweckgebundene Gebührenrefundierung – wie in dem von der österreichischen Filmwirtschaft vorgeschlagenen Finanzierungsmodell - im vollen Ausmaß und ohne zeitliche Beschränkung zu beschließen und die Zweckwidmung in der Novelle des ORF-Gesetzes festzuschreiben.
Es ist Aufgabe der Österreichischen Bundesregierung, dem ORF jene strategische Rahmenbedingungen zu setzen, die Natur, Sinn und Legitimation des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in einem dezidierten Programmauftrag klarlegen, der ein leidenschaftliches Bekenntnis zu einem österreichischen Programm enthält, zu zeitgemäßen fiktionalen, aktuellen informationsjournalistischen sowie zu relevanten dokumentarischen Inhalten.
Erst unter diesen Rahmenbedingungen kann das operative Management eines öffentlich-rechtlichen Senders – jenseits rein marktwirtschaftlicher Orientierung - erfolgreich und effizient sein.
Nicht zuletzt fließen die durch die Gebührenrefundierung zweckgebunden für die österreichische Filmproduktion eingesetzten Steuermittel (durch die erhöhte nationale Wertschöpfung und die Generierung ausländischer Koproduktionsgelder) – anders als beim derzeit massiven Einkauf internationaler Produktionen - wieder als Steuereinnahmen zurück. Mit österreichischen Gebührengeldern auch eine österreichische Wertschöpfung zu erreichen muss ein politisches Ziel sein!
Es ist eine Frage des politischen Willens, ob „unser“ ORF eine Medienkolonie wird oder seinen öffentlich-rechtlichen Auftrag erfüllt, ob ORF auch in Zukunft für österreichisches Fernsehen steht oder als Kürzel für „Ohne Regionales Film- und Fernsehschaffen“.
Der ORF und die österreichische Filmwirtschaft – ein Wechselbad der Gefühle
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist einmal mehr Gegenstand politischer Diskussionen. Mangelnde Publikumsakzeptanz, Finanzprobleme, fehlende Konzepte für die Zukunft und Vernachlässigung des öffentlich-rechtlichen Auftrags charakterisieren die aktuelle Situation des ORF. Besonders schmerzvoll in diesem Zusammenhang ist der Umgang des ORF mit seinem „Kulturauftrag“ und der zu Unrecht als Stiefkind behandelten österreichischen Filmwirtschaft.
Österreich ist jenes Land Europas, in dem es erst sehr spät – siebzehn Jahre nach Deutschland und sechs Jahre nach Albanien – zur Liberalisierung im Rundfunkbereich kam. Die Bundesregierung unter Wolfgang Schüssel ermöglichte 2001 privaten Fernsehanbietern den Markteintritt. Auf Grund dieser späten Öffnung des Fernsehmarktes hat der ORF nach wie vor eine überaus dominante Marktstellung, welche unverkennbar Auswirkungen auf die gesamte Medienbranche und Zulieferindustrie hat.
Die duale Rundfunkordnung – das Nebeneinander von öffentlich-rechtlichem und privatem Rundfunk – ist in vielen westeuropäischen Ländern die Norm. Aufgabe der Politik ist es in diesem Zusammenhang, für entsprechende Rahmenbedingungen zu sorgen, damit sich Medienvielfalt, Presse- und Medienfreiheit sowie ein fairer Wettbewerb entwickeln können. Um den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in seinem Bestand zu sichern, hat der österreichische Gesetzgeber dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk bereits vor vielen Jahren die Möglichkeit eingeräumt, sich über Programmentgelt bzw. Gebühren sowie kommerzielle Werbung zu finanzieren. Dies ist im internationalen Vergleich längst keine Selbstverständlichkeit mehr. Frankreich, Spanien und Kroatien zum Beispiel sind dazu übergegangen, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk ausschließlich über Gebühren zu finanzieren und so die Rundfunkanstalten vom Druck des (Werbe-)Marktes zu befreien. Nichts desto trotz stellt die Finanzierung über Gebühren und Werbung einen beachtlichen Vorteil für den ORF gegenüber den Privaten im Wettbewerb dar.
In wirtschaftlich schwierigen Zeiten wird dies in besonderem Ausmaß bewusst. Private Anbieter, die sich ausschließlich über Werbung finanzieren, kommen immer mehr unter Druck, der ORF hingegen hat mit jährlich 527 Mio. Euro an Programmentgelt nahezu eine Bestandsgarantie. Um diese staatlichen Beihilfen, wie die Rundfunkgebühren von der Europäischen Union qualifiziert werden, zu rechtfertigen, hat der ORF einen öffentlich-rechtlichen Auftrag zu erfüllen. So heißt es zum Beispiel im ORF-Gesetz (§4 Abs. 1 Z.6) dass der ORF „ein differenziertes Gesamtprogramm aus Information, Kultur und Unterhaltung anbieten“ sollte. Betrachtet man ORF1 oder Ö3 ist allerdings von der Verwirklichung dieses Auftrags nicht viel zu bemerken. Experten sind sich einig, dass es sich bei den genannten Angeboten um rein kommerziell ausgerichtete Angebote handelt, die lediglich US-amerikanische Kaufware abspielen. Eine aktuelle Erhebung der Rundfunk- und Telekom Regulierungs-GmbH zeigt, dass sogar heimische private Angebote einen höheren Nachrichtenanteil aufweisen als ORF1. Trauriges Detail am Rande: In vielerlei Hinsicht hat sich die Quotenjagd bereits als Flop (Stichwort „größte Programmreform aller Zeiten“) herausgestellt und scheint in keiner Weise Erfolge zu bringen. Jüngstes Beispiel für das Handeln gegen den eigenen (Kultur-)Auftrag ist die Suche nach dem „neuen Pokerface“ – gemeinsam mit den Casinos Austria wird eine neue Pokersendung (sic!) seit Mitte September beworben.
Ob er will oder nicht, aber mit diesem Kurs ist der ORF an einem Punkt angelangt, an dem seine Glaubwürdigkeit als öffentlich-rechtliches Medium und österreichischer Kulturträger massiv in Frage gestellt wird. Dieser Umstand erscheint besonders paradox, wenn man bedenkt, dass gerade österreichische Spielfilme, Serien und Dokumentationen bei den Gebührenzahlern zu den beliebtesten Programmen zählen. Dennoch ist es so, dass die ORF-eigenen Aufwendungen für österreichische TV-Serien, Fernsehfilme und Dokumentationen nur 4 % des Umsatzes ausmachen. Anders gesagt: der Gebührenzahler bekommt nicht einmal einen österreichischen Film pro Monat zu sehen. Stattdessen wird analog zu den privaten Sendern more of the same geboten. Das Motto muss lauten: wo ORF darauf steht muss Österreich drinnen sein!
Im europäischen Vergleich liegt der ORF beim nationalen Anteil ausgestrahlter Fiktion mit nur 2,2 % an vorletzter Stelle. Lediglich Luxemburg, das gar keine Fiktion sendet bzw. dessen Rundfunksystem nicht vergleichbar ist, liegt hinter Österreich. In vergleichbar großen Ländern wie Schweden, Norwegen oder Finnland sind die Anteile mehr als doppelt bis viermal so hoch; in großen Staaten wie Deutschland, England, Spanien, Italien und Frankreich sind die Anteile sechs bis dreizehn Mal höher.
Nur 0,64 % des gesamten Programms von ORF 1 und ORF 2 entfallen auf österreichische Spielfilme und TV-Serien. Inklusive der Dokumentationen sind es maximal 1,68 %. Da mutet es fast wie Hohn an, wenn fertige Produktionen in der Höhe von ca. 60 Mio. Euro aus Bilanzierungsgründen nicht gesendet werden.
Angesichts des negativen ORF-Finanzergebnisses von ca. 80 Mio. Euro im Jahr 2008 und eines prognostizierten Minus von rund 50 Mio. Euro für das laufende Jahr ist eine Strukturreform des ORF dringend erforderlich. Hier ist in erster Linie die ORF-Geschäftsführung gefordert. Eine nachhaltige Sanierung des ORF kann nur über eine umfassende Strukturreform erreicht werden und nicht beim Programm auf Kosten des Produktes ansetzen.
In diesem Zusammenhang wäre es daher völlig falsch, auf Kosten der österreichischen Filmwirtschaft, welche ein Quotengarant für den ORF ist, zu sparen. Die beabsichtigte Streichung des Film/Fernseh-Abkommens – was ein vergleichsweise geringes Sparpotential von 5 Mio. Euro bedeuten würde – und die Kürzung des Volumens für Auftragsproduktionen wären fatal.
Audiovisionsindustrie ist eine Wachstumsbranche
Die österreichische Filmwirtschaft ist mit rund 2.300 Unternehmen und 2.500 direkt Beschäftigten (rund das Doppelte sind indirekt beschäftigt) ein prosperierender Wirtschaftszweig. Es ist ein stetes Wachstum zu beobachten und der Marktanteil konnte in den letzten Jahren sogar verdreifacht werden. Der Jahresproduktionswert liegt bei rund 135 Mio. Euro. Um dieses Potential zu nutzen, wird seitens der ÖVP derzeit an einem Produktionsanreizmodell gearbeitet, das darauf basiert, ausländische, meist größere Kinoproduktionen ins Land zu holen, welche bestimmte Auflagen erfüllen müssen, um einen österreichischen Mehrwert zu generieren.
Der sogenannte Österreichische Filmförderungsfonds (ÖFFF), welcher nach dem Modell des Deutschen Filmförderungsfonds etabliert werden soll, wurde im Frühjahr dieses Jahres von ÖVP-Klubobmann Kopf bei einem Branchentreffen präsentiert. Die ministeriellen Verhandlungen zu diesem starken Investitions- und Produktionsanreizmodells befinden sich im Endstadium, sodass der Fonds im kommenden Jahr operativ tätig werden kann.
Die Erfolge und Unterstützung der österreichischen Filmschaffenden genießen in der ÖVP – im Gegensatz zu anderen Parteien in Österreich – besonderen Stellenwert. Gerade in den vergangenen Jahren hat die Volkspartei auf diesem Sektor viel Positives bewirkt: die Novelle des Filmförderungsgesetzes 2004, die Einführung des RTR-Filmförderungsfonds und die sukzessive Erhöhung des ÖFI. Nun tritt sie klar für die gesetzliche Verankerung des Film/Fernsehabkommens im ORF-Gesetz und die Etablierung des Österreichischen Filmförderungsfonds ein. Die jüngsten Versuche des ORF die Filmwirtschaft für eine Gebührenrefundierung seitens des Bundes vor den Karren zu spannen, ist eine klare Absage zu erteilen. Das Ausspielen verschiedener Interessensgruppen kann nicht im Interesse der österreichischen Gesellschaft sein.
Es liegt daher einmal mehr am ORF-Management – und nicht an der Filmwirtschaft – die Weichen für die Zukunft zu stellen: die Förderung der heimischen Kreativen ist eindeutig integraler Bestandteil des öffentlich-rechtlichen Auftrags. Einsparungen oder das Aufbauen von dramatischen Szenarien wie der Einstellung des Rundfunksymphonie Orchesters sind nicht der Weg den öffentlich-rechtlichen Rundfunk nachhaltig zu sichern und zu legitimieren. Die ÖVP hat sich klar positioniert und die Eckpunkte für eine Reform aufgezeigt. Die SPÖ täte gut daran, sich mit den Zukunftsfragen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks auseinanderzusetzen.
EU beendet Verfahren gegen ORF
Die EU-Kommission schließt das Wettbewerbsverfahren zu ORF ab. "Die Europäische Kommission ist zu dem Ergebnis gekommen, dass die Finanzierungsregelung für den öffentlich-rechtlichen Rundfunkveranstalter ORF nach entsprechenden Zusicherungen Österreichs nunmehr mit den EU‑Beihilfevorschriften im Einklang steht.", heißt es seitens der Kommission.
EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes: "Ich bin davon überzeugt, dass mit den von Österreich angebotenen Zusicherungen einerseits die notwendigen Voraussetzungen für einen hochwertigen öffentlich-rechtlicher Rundfunk geschaffen und andererseits gerechte Ausgangsbedingungen in diesem Sektor aufrechterhalten werden." Gleichzeitig muss sich die Gebühren-Finanzierung des ORF aber „auf das zur Erfüllung seiner öffentlich rechtlichen Aufgaben erforderliche Maß beschränken", die kommerziellen Tätigkeiten müssten "strikt" von dessen öffentlich-rechtlichen Tätigkeiten getrennt werden, erklärte die Kommission am Mittwoch.
Neue Medienaufsicht-Behörde
"Der öffentlich-rechtliche Auftrag wird dadurch präzisiert, dass zusätzliche Kriterien für die Erbringung neuer Mediendienste eingeführt werden. Österreich wird eine neue Medienaufsicht einrichten, die überwachen wird, inwieweit der ORF den öffentlich-rechtlichen Auftrag erfüllt. Wenn der ORF neue Mediendienste einführen will, muss er die entsprechenden Vorschläge der Medienaufsicht unterbreiten. Die Medienaufsicht wird daraufhin eine öffentliche Konsultation durchführen, um den Mehrwert dieser Dienste für die österreichische Gesellschaft sowie deren Auswirkungen auf den Markt zu prüfen. Dabei haben die Bürger und andere Marktteilnehmer Gelegenheit, zu den vom ORF geplanten neuen Medienangeboten Stellung zu nehmen", heißt es in einer Aussendung am Mittwoch.
Präzisierung des öffentlich-rechtlichen Auftrags
Österreich hat nun zwölf Monate Zeit, die Zusicherungen umzusetzen. Weiters erhält der ORF Vorgaben zu Sportrechten und -programmen, zu neuen Spartenprogrammen sowie zu neuen Online-Diensten. Kommission: "Die neue Medienaufsicht wird nicht nur überprüfen, inwieweit der ORF seinen öffentlich-rechtlichen Auftrag erfüllt, sondern auch dafür Sorge tragen, dass der ORF für die Erbringung seiner öffentlich-rechtlichen Tätigkeiten keinen überhöhten finanziellen Ausgleich erhält. Der ORF wird dazu verpflichtet, nicht genutzte Sportrechte Dritten in Sublizenzierung anzubieten. Außerdem wird sich der Kanal ORF Sport Plus auf Sportarten konzentrieren, denen in der österreichischen Medienberichterstattung kein breiter Raum zukommt.
Bei den neuen Spartenprogrammen für Information und Kultur werde im Rahmen einer Vorabprüfung untersucht, "welchen Mehrwert sie haben und wie sich möglicherweise auf den Markt auswirken werden". Die Programmgestaltung der bestehenden Fernsehkanäle ORF1 und ORF2 werde weiters Gegenstand einer laufenden internen Qualitätskontrolle sein. "Außerdem können bei der neuen Medienaufsicht Beschwerden eingereicht werden", so die Kommission.
Grünes Licht gab es für die geplante "TVthek": Öffentlich-rechtlich relevante Sendungen dürfen künftig sieben Tage lang online abrufbar sein. Hierfür braucht es keine Vorabprüfung, allerdings ist dann auch keine Online-Werbung erlaubt. Ansonsten muss sich der ORF im Onlinebereich auf öffentlich-rechtliche Angebote beschränken und darf den Onlineportalen von heimischen Zeitungen keine Konkurrenz machen. Es gibt außerdem eine Ausschlussliste, mit der etwa das Angebot von Klingeltönen, Glücksspielen, Partnerbörsen, Preisvergleichen etc. verboten wird.
Keine Einwände gegen Gebührenfinanzierung
Am Finanzierungssystem des öffentlich-rechtlichen Senders hatte die EU grundsätzlich nichts zu kritisieren. Laut der Einigung muss das Programmentgelt künftig alle fünf Jahre neu festgesetzt werden. Die Höhe wird wie bisher ORF-intern vom Generaldirektor vorgeschlagen und vom Stiftungsrat beschlossen. Neu ist eine Prüfung der Gebührenhöhe durch die Regulierungsbehörde. Neu ist auch, dass der ORF innerhalb von zwei Finanzierungsperioden, also maximal zehn Jahren, Verluste gegen Gewinne gegenrechnen darf.
(Zitiert: Der Standard)
Ö-Film-Erfolg: Über eine Million Zuschauer sahen 2009 heimische Filme im Kino
Der österreichische Film hat im eigenen Land erstmals mehr als eine Million Kinobesucher im Jahr erreicht. Bereits Ende Oktober wurde die magische Grenze "bei weitem überschritten", teilte das Österreichische Filminstitut (ÖFI) am Mittwoch mit, obwohl heuer noch weitere Kinostarts anstehen. "Für uns ist das ein fantastischer Erfolg", so ÖFI-Direktor Roland Teichmann. Besonders erfreulich sei, so Teichmann, dass diese Marke nicht nur durch einen starken Film, sondern durch eine breite Vielfalt erreicht worden sei. Zu den erfolgreichsten österreichischen Filmen 2009 gehören die Filmfortsetzung der Mundl-Geschichten "Echte Wiener - Die Sackbauer Saga" mit mehr als 370.000 Besuchern seit Kinostart und die Wolf Haas-Verfilmung "Der Knochenmann" mit mehr als 260.000 Besuchern. Für Stefan Ruzowitzkys Kinderfilm "Hexe Lilli" wurden mehr als 176.000 Kinokarten verkauft.
Diese Vielfalt sei jedoch in Gefahr, heißt es in der Aussendung weiter, da der ORF das sogenannte Film/Fernseh-Abkommen zur Kinofilmförderung auslaufen lassen wolle. "Ich möchte noch einmal betonen, wie entscheidend ein klares Bekenntnis des ORF zum österreichischen Kinofilm ist", fordert Teichmann. Das Abkommen müsse daher - entsprechend der Forderung der Österreichischen Filmwirtschaft - dringend gesetzlich verankert und mit zehn Millionen Euro jährlich wertgesichert fixiert werden.
Film: "Für mehr als eine Handvoll Euros"
„Filmwunder Österreich“: Das viel strapazierte Schlagwort hört man oft und demnächst noch öfter. Denn wieder einmal läuft es gut für den heimischen Film: Michael Haneke hat zuletzt in Cannes gewonnen. Das Wiener Filmfestival Viennale, das kommende Woche startet, eröffnet erstmals mit einer österreichischen Produktion („La pivellina“). Und im Jänner darf man erneut freudig zittern: Gelingt Arash T. Riahi mit „Ein Augenblick Freiheit“ eine Nominierung für den Auslands-Oscar?
Eine spannende Frage, an die sich eine noch spannendere knüpft: Wie viele Preise braucht es eigentlich, bis man anerkennt, dass Film nicht nur ein (wenn auch notorisch unterschätztes) Kulturgut ist, sondern Dreharbeiten trotz Förderung auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor sind? Tatsächlich mehren sich seit den Neunzigern, als sich Österreicher im internationalen Festivalzirkus etablieren konnten, nicht nur die Preise. Laut dem Österreichischen Filmförderungsinstitut (ÖFI) sind in den vergangenen acht Jahren auch die Umsätze der gesamten Filmproduktion (Kino, TV, Werbung etc.) inflationsbereinigt um 50 Prozent gestiegen – auf 351 Mio. Euro für den Zeitraum 2007/2008. Ebenfalls gewachsen ist der Marktanteil von österreichischen Filmen im Kino: von mageren zwei auf sieben Prozent im Vorjahr. Für 2009 rechnet ÖFI-Leiter Roland Teichmann gar mit einem „zweistelligen Anteil“. Die wahre Überraschung könnte aber Ende des Jahres verkündet werden: Spät, aber doch soll Österreich eine Filmförderung mit ökonomischem Schwerpunkt bekommen, wie sie im restlichen Europa längst üblich ist. Denn, sagt Teichmann: „Filmproduktionen sind wie ein Wanderzirkus, sie gehen dorthin, wo es Geld gibt.“
Cruise und Diaz. Im Wirtschaftsministerium wird derzeit deshalb an einer Variante des Rabattmodells des Deutschen Filmförderfonds (DFFF) gearbeitet. Der jährlich mit 60 Mio. Euro dotierte DFFF erstattet, grob gesagt, einen Teil der in Deutschland ausgegeben Produktionskosten zurück, wenn die Produktion gewisse Kriterien (Beschäftigung deutscher Mitarbeiter etc.) erfüllt. Der Erfolg kann sich sehen lassen: Laut DFFF wurde im Endeffekt das Sechsfache (!) der Fördersumme in Deutschland ausgegeben. Ähnliches erhofft man auch für Österreich. Freilich: „Hollywood-Produktionen werden uns trotzdem nicht die Türe einrennen“, sagt Teichmann, „aber vielleicht gibt es eine pro Jahr.“ Bis dato steht allerdings weder die Fördersumme fest – die österreichische Wirtschaftskammer wünscht sich 20 Mio. Euro –, noch kann man den Multiplikatoreffekt 1:1 umlegen. Vielmehr geht man bei der Wertschöpfung eines Filmes hierzulande vom Dreifachen der Herstellungskosten aus. Das Geld fließt schließlich in Arbeitsplätze, Subaufträge an Dienstleistungsfirmen, Transport und Unterbringung, auch das Image des Drehorts profitiert. Die gesamte Wertschöpfung exakt aufzuschlüsseln sei aber unmöglich, sagt Peter Zawrel, Chef des Filmfonds Wien, denn: Welche Kaufimpulse ein Film beispielsweise auslöst, lässt sich weder abschätzen noch seriös abrechnen. Als Erfahrungsbeispiel verweist Zawrel lieber auf den „territorialen Filmbrancheneffekt“, den der Filmfonds Wien einfordert: Demnach muss die geförderte Summe zu 100 Prozent in Wien ausgegeben werden: „Aus den Endabrechnungen wissen wir aber, dass es meist 250, im Höchstfall sogar 900 Prozent sind.“
Früher als das Wirtschaftsministerium erkannte der Tourismus das Wertschöpfungspotenzial: Mit 300.000 Euro lockt die Salzburger „StandortAgentur"(zuständig für die Förderung des kommerziellen Films) aktuell „The Unkown Wichita Project“, so der Arbeitstitel eines Films mit Tom Cruise und Cameron Diaz, in die Stadt. Ende November, Anfang Dezember sollen die Dreharbeiten starten und werden Salzburg – so ist es im Vertrag festgelegt – 1,2 Mio. Euro bringen (den Werbeeffekt von bis zu 20 Minuten Salzburgkulisse im Leinwandformat nicht eingerechnet). Der Hauptteil der Ausgaben entfällt jedoch auf Hotelübernachtungen, Fuhrpark, Sicherheit. Dinge, die mit der Filmbranche nicht wirklich viel zu tun haben.
Tom und Cameron – gut und schön, aber „strukturbildend“, wie das Werner Müller, Geschäftsführer des Fachverbands der Audiovisions- und Filmindustrie nennt, ist derlei nicht. Beim Rabattmodell, das natürlich auch heimische Filmemacher in Anspruch nehmen sollen, soll das anders sein: Man hofft, dass die ansässige Filmbranche Aufträge lukriert und es zu Know-how-Transfer kommt. Noch mehr Möglichkeiten gäbe es, sagt Teichmann, hätte Österreich ein großes Filmstudio. Das aber fehlt nach wie vor.
Ein Problem namens ORF. Und es ist nicht das Einzige, was man vermisst. Denn das neue Rabattmodell kann nicht über das große Problem der Branche hinwegtäuschen, das auch jede Krisen-Diskussion verdrängt: den ORF. Dessen marode Finanzen sind aus zwei Gründen gefährlich. Erstens: Das Film- und Fernsehabkommen, mit dem der ORF Kinofilme fördert (5,9 Mio. Euro pro Jahr), wackelt. Ob und wie hoch man es künftig dotieren könne, sagt ORF-Sprecher Pius Strobl, werde sich erst mit dem Budgetvorschlag Mitte November entscheiden. Zweitens: Der ORF wird seine gesamten Aufträge für Serien, Shows, Dokus oder TV-Filme, von denen die Branche stark abhängig ist (Auftragsvolumen heuer: über 90 Mio. Euro), einschränken. Massiv einschränken? „Definieren Sie massiv“, sagt Strobl. Ab minus 25 Prozent. „Dann wird es massiv.“ „Wenn der ORF das Budget für Fernsehfilme weiter kürzt, haben wir ein echtes Problem“, meint Produzent Helmut Grasser (Allegro Film), „das hätte dramatische Auswirkungen auf die ganze Branche. Denn die meisten Arbeitsplätze, das Alltägliche passiert im Bereich der Fernsehfilme.“
Im Verein „Film Austria“ wollen sich die Produzenten gegen die Einsparungen wehren. Sprecher und Anwalt Alfred Noll sagt: „Wir wollen, dass der ORF im Rahmen des Film- und Fernsehabkommens zehn Millionen Euro pro Jahr in Film investiert. Weiters sollte eine finanzielle Unterstützung vonseiten der Regierung nur zweckgebunden vergeben werden. 25 Prozent des Programmbudgets sollten in die Produktion österreichischer Filme, Serien und Dokus fließen. Da wird es eine Quotenregelung brauchen.“
Dominoeffekt. Auswirken würde sich ein ORF-Ausfall auch auf den Fernsehfonds der Rundfunk- und Fernsehfilmregulierungs Gmbh (RTR), der auf dem TV-Sektor – ähnlich wie der geplante Rabatt im Kinobereich – einen Anreiz für ausländische Koproduktionen schafft. Jedoch nur, wenn 50 Prozent vom Inland bezahlt werden. Bislang haben der RTR 20 und der ORF 30 Prozent beigesteuert. Fällt der ORF aus, brechen – dominogleich – auch die ausländischen Partner weg. Eventuell, vermutet Teichmann, werden TV-Regisseure und Produzenten deshalb nun in Richtung Kino(förderung) drängen. Im Durchschnitt ist jeder österreichische Kinofilm zu achtzig Prozent gefördert. Klingt viel, ist aber in ganz Europa so. Denn um die Herstellungskosten einzuspielen, bräuchte ein Film etwa zwei Millionen Besucher. Und das gelingt selbst großen Ländern wie Deutschland und Frankreich nur selten.
Ganz normaler Filmalltag. Insgesamt (inkl. ORF, RTR) wurden 2008 über 42 Mio. Euro an Förderungen zugesagt. Bei einem Kinofilm teilen sich ÖFI und Bundesländerfonds in der Regel 80 Prozent, 20 Prozent sollten vom ORF kommen. Die Einreichung ist ein langwieriger Prozess, wie das Beispiel von Arash T. Riahi zeigt: 2003 reichte Riahi „Ein Augenblick Freiheit“ zur Drehbuchförderung ein und wurde abgelehnt. 2004 kam es zur Projektentwicklung, und 2006 gab es die Zusage zur Herstellung: Mit 3,5 Mio. Euro ist „Ein Augenblick Freiheit“ eines der teuersten heimischen Spielfilmdebüts. Im Schnitt liegen zwischen Projektentwicklung und Herstellung sechs bis achtzehn Monate. Europäischer Standard, sagt Zawrel. Regisseure klagen dennoch häufig über das „Loch“ in das sie zwischen den einzelnen Produktionen fallen – Drehpausen von bis zu zwei Jahren sind durchaus üblich. „Stimmt“, so Zawrel, „aber das ist ein österreichisches Schicksal. Im Vergleich zu anderen Ländern haben wir einfach sehr viele Filmschaffende. Der Markt ist übersättigt.“
Was also tun? Bei der Produktion selbst zu sparen fällt schwer. Dokumentarfilmern, bei denen die Materialkosten den Großteil des Budgets ausmachen, hilft jedoch die Technik. Peter Schreiner hat seinen Film „Totó“ digital gedreht: „Mit einer HD-Kamera ab 8000 Euro ist man fit, Kino zu machen. Bei Dokus ist die Produktion auf Film fast schon obsolet“, sagt er. Fürs Kino muss Schreiner sein Werk wieder teuer auf Film kopieren. Noch. Denn die Digitalisierung der Kinos (in Österreich 40 Prozent) nimmt zu und damit als Nebeneffekt auch die Zahl der Kopien. Begannen heimische Filme 2007 mit neun Kopien, sind es heuer bis zu 80, ein Wert, der mit US-Produktionen vergleichbar ist. Das schlägt sich auch in den Besucherzahlen positiv nieder.
Apropos neu und positiv: Seit heuer verfügt auch die Bundeshauptstadt über eine Vienna Film Commission (VFC), die Filmemachern unter anderem den Alltag bei den Dreharbeiten erleichtern soll. Laut dem Obmann der österreichischen Aufnahmeleiter, Peter Altendorfer, klappt die Zusammenarbeit – und dank ihr auch jene mit „Problembezirken“ – sehr gut. Für massiven Unmut sorgt aber aktuell die Magistratsabteilung 46, die für Drehgenehmigungen auf Verkehrsflächen zuständig ist.
Noch mehr Alltag. „Die Antragsfristen für Drehgenehmigungen wurden auf bis zu vier Wochen verdoppelt, das vernichtet die Branche“, sagt Altendorfer. Stimmt nicht, heißt es aus der MA 46. Die Fristen hätten sich nicht verändert. In Wahrheit habe der früher zuständige Beamte Anträge „im kurzen Weg“ erledigt, was nicht korrekt gewesen sei. Seine Nachfolger (jetzt zu dritt) würden den Amtsweg einhalten, „aber sich trotzdem bemühen, dass es schneller geht“. Altendorfer plant nun einen Protest, VFC-Leiterin Marijana Stoisits einen runden Tisch.
Es wird nicht ihr letzter sein. Stoisits will auch Institutionen wie Spitäler und Verkehrsbetriebe überzeugen, nicht aus Imageängsten Drehgenehmigungen zu verweigern. Denn wofür die Tourismusregion Salzburg zahlt, das macht den ÖBB Sorge. Für seine Drogenkomödie „Contact High“ wollte Regisseur Michael Glawogger am Wiener Südbahnhof drehen. Jedoch: Das Script erschien der Pressestelle bedenklich. Weil eben Drogen usw. „Ich kann mich an den Fall nicht genau erinnern“, sagt ÖBB-Sprecher Alfred Ruhaltinger, „aber kann schon sein, dass wir aus Imagegründen abgelehnt haben. Wir prüfen intern jedes Skript genau. Das Thema Drogenmissbrauch ist heikel.“ Ebenso wie das Thema Gewalt und damit potenziell jeder „Tatort“ oder „James Bond“. Filmwunderland Österreich – bisweilen ganz schön wunderlich.
ORF: „Was erwarten wir vom öffentlich-rechtlichen Bildschirm?“
Sanierungsüberlegungen, Strukturdebatten, parteipolitische Deals und verlegerische Begehrlichkeiten prägen seit Monaten die Diskussion rund um den ORF. Irgendwann wird Alexander Wrabetz sein Restrukturierungspaket fertig geschnürt, werden die Regierungsparteien sich auf ein neues ORF-Gesetz geeinigt haben und damit auch die zukünftigen Rahmenbedingungen für die österreichische Film- und Fernsehwirtschaft feststehen. Ob der ORF dann noch - oder vielleicht wieder - in der Lage sein wird, ein dem öffentlich-rechtlichen Anspruch gerecht werdendes Programm zu machen, steht derzeit in den Sternen. Die Österreichische Gesellschaft für Kulturpolitik stellt sich – sinnigerweise in der Wiener Urania – an einer Podiumsdiskussion über „gewünschte Programminhalte jenseits von Strukturdebatte und Finanzierungsmöglichkeiten“ inzwischen die Frage, was wir vom öffentlich-rechtlichen Bildschirm überhaupt erwarten. Es diskutieren Michael Köhlmeier (Autor), Danny Krausz (Filmproduzent), Ona B. (Künstlerin), Peter Patzak (Filmregisseur), Wolfgang Puschnig (Musiker) und Wolfgang Reiter (Dramaturg und Regisseur, derzeit Sprecher der Plattform Filmwirtschaft und Filmkultur mit dem ORF), moderiert von Trautl Brandstaller (langjährige ORF-Journalistin, derzeit freie Publizistin). Vielleicht liefert die Diskussion über Programminhalte ja auch der Strukturdebatte und den Finanzierungsfragen neue Argumente ....
Dienstag, 3. November 2009, 18 Uhr
Dachsaal Volksbildungshaus Wiener Urania, 1010 Wien, Uraniastraße 1
Ö-Film und ORF-Krise: Den Kanzler beim Wort nehmen
Ganz am Ende des letzten ORF-Sommergesprächs mit Werner Faymann vor der Bregenzer Aida-Kulisse kamen sie dann doch noch auf den Tisch: die Krise des ORF und die Frage, was der Kanzler dagegen zu tun gedenkt. Gestellt hat sie Oscar-Preisträger Stefan Ruzowitzky (Die Fälscher). Und Faymann parierte sie mit nonchalantem Lächeln: "Mehr österreichische Filme!" Das war's. Themenwechsel: Dichand. Das nämlich fällt österreichischen Journalisten (also auch Ingrid Thurnher) dann immer reflexartig ein, wenn es um Medien geht.
Aber bleiben wir beim ORF. So salopp das - suggerierter Untertitel: "Na, des haben S' doch hören wollen, Herr Regisseur?!" - auch rübergekommen ist: "Mehr österreichische Filme" ist tatsächlich die richtige Antwort auf die Krise des kränkelnden Leitmediums. Nicht nur um Partialinteressen einer Branche zu bedienen und qualifizierte Arbeitsplätze in der Kreativwirtschaft im Lande zu halten, sondern um den ORF zu einem unverwechselbaren Sender zu machen, der auch den Erwartungen der Gebührenzahler entspricht.
50 Prozent mehr Zuseher
Österreichische Filme, Serien und Dokumentationen zählen nämlich zu den beliebtesten Programmen des ORF und erreichen durchschnittlich um 50 Prozent mehr Zuseher als Kaufprogramme meist US-amerikanischer Provenienz. Und das heißt umgekehrt: Je weniger eigenständig produziertes und unverwechselbares Programm auf den Sendern des ORF läuft, desto mehr werden die Einschaltquoten einbrechen und damit auch die Werbeeinnahmen sinken. Ganz abgesehen davon, dass der ORF damit selbst an der Legitimation für die Gebührenfinanzierung sägt.
"Mehr österreichische Filme" - das bleibt in den laufenden ORF-Debatten meist völlig unterbelichtet - ist vor allem auch aus demokratiepolitischen Überlegungen die richtige Antwort auf die Krise des ORF. So wichtig die informationspolitische Funktion eines öffentlich-rechtlichen Senders auch ist: Der politische Tunnelblick auf die Nachrichten- und Info-Sendungen macht nicht nur Parteienvertreter, sondern auch viele Journalisten blind dafür, dass Fernsehen vom Publikum aus einer ganz anderen Perspektive wahrgenommen wird, nämlich primär als Unterhaltungs- und erst in zweiter Linie als Informationsmedium.
Und er ignoriert, dass öffentliche Kommunikation als unabdingbare Voraussetzung für moderne Demokratien neben der Informations- und Transparenzfunktion noch eine weitere, ebenso wichtige, nämlich integrative Funktion hat: Sie ermöglicht die Selbstwahrnehmung der Bürger und Bürgerinnen als Mitglieder einer Gesellschaft, die Probleme auf demokratische und solidarische Weise löst.
Integrative Funktion
Diese integrative Funktion erfüllen im Fernsehen in erster Linie fiktionale Programme: Filme und Serien, die kritische und satirische, heitere und traurige, romantische und komödiantische Geschichten von unterschiedlichen Menschen erzählen. Geschichten, die alltäglichen Problemen jenseits tagespolitischer Aktualitäten Resonanz verschaffen, die Einsicht in unterschiedliche Lebenslagen ermöglichen und damit - bei aller Kontroverse - für die Vermittlung zwischen den gesellschaftlichen Milieus sorgen.
Öffentliche Kommunikation kann dergestalt aber nur dann funktionieren, wenn die Dramen, Komödien und Satiren aus der Lebenswelt der Zuseher/innen kommen, also überwiegend im regionalen, nationalen oder europäischen Kontext entstehen und nicht - wie im ORF - überwiegend im US-amerikanischen. "Fällt die eigenständige Produktion von Filmen und Serien unter eine kritische Masse", so formuliert es ORF-Hauptabteilungsleiter Heinrich Mis selbstkritisch im ersten Public-Value-Bericht des ORF, "nimmt das Publikum den ORF nicht mehr als Schöpfer österreichischer Identität wahr." Mit der Folge, dass dem Publikum die Senderbindung zunehmend abhandenkommt.
Dieses Szenario zeichnet sich längst ab und wird angesichts der Sparpläne im ORF weiter dynamisiert. Schon jetzt ist der ORF im europäischen Vergleich das Schlusslicht bei den nationalen Anteilen am fiktionalen Programm. Mit lediglich 2,2 % liegt Österreich nicht nur weit hinter den großen Produktionsländern Deutschland, Frankreich, Spanien und England, die 13,4, bis 28,2 Prozent der ausgestrahlten TV-Filme und Serien selbst produzieren, sondern auch hinter vergleichbar großen Staaten wie Finnland, Schweden, Belgien oder Norwegen, deren nationale TV-Anstalten zwei- bis viermal so viel eigen- und koproduzierte Filme und Serien zeigen als der ORF.
Social-Web-Verheißungen
Dass der ORF insbesondere für junge Zuschauer als Leitmedium längst abgedankt hat, liegt nicht nur daran, dass klassisches Fernsehen mit den flexiblen, am Internet geschulten Ansprüchen der Jungen nicht mithalten kann, sondern auch daran, dass die Chance, die das Fernsehen nach wie vor gegenüber dem Internet hat, vom ORF nicht genutzt wird: die Chance auf eine großes Wir, auf Gemeinschaftserlebnisse, nach denen sich auch Jugendliche sehnen, die gerade im Internet - allen Social-Web-Verheißungen zum Trotz - vielfach Vereinzelung erfahren. Dazu braucht es aber originäre Seherlebnisse und nicht einfallslose Format-Kopien. Gerade der öffentlich-rechtliche Rundfunk hätte hier Erprobungsmöglichkeiten, die den Privatsendern aufgrund des Quotendrucks kaum zur Verfügung stehen: Mit Rückgriff auf das große Potenzial kreativer österreichischer Autoren, Regisseure und Schauspieler Programme zu entwickeln, von denen entscheidenden Impulse ausgehen, die über das Niveau von Ratgebersendungen und Casting-Shows hinausgehen.
"Mehr österreichische Filme!" - War das, Herr Bundeskanzler, ein Versprechen gegenüber dem wahlberechtigten ORF-Publikum? Wenn ja, dann haben Sie in den kommenden Wochen die Chance, es im Zuge der Novellierung des ORF-Gesetzes in Form konkreter Quantifizierungen einzulösen. Damit könnten Sie sich bei der nächsten Wahl noch einige weitere Wahlplakate sparen.
Preisverdächtig
„Ein halbes Leben", eine Produktion der Allegro Film in Koproduktion mit ORF und ZDF ist in vier Kategorien für den Deutschen Fernsehpreis 2009 nominiert. Der Film des österreichischen Regisseurs Nikolaus Leytner geht in den Kategorien bester Fernsehfilm und beste Regie ins Rennen. Josef Hader verkörpert darin einen Vergewaltiger und Mörder, für diese Rolle kann er sich Hoffnung auf eine Trophäe als bester Schauspieler machen. Zudem ist Franziska Walser in der Kategorie beste Schauspielerin in einer Nebenrolle nominiert.
Auch für das Rennen um den Europäischen Filmpreis 2009 sind zwei österreichische Produktionen nominiert: "Der Knochenmann" von Wolfgang Murnberger (DOR-Film) und "Das weiße Band" von Michael Haneke (Wega Film in Koproduktion mit Les Films Du Losange, X Filme und Lucky Red) treten gegen prominente Mitbewerber wie "Zerrissene Umarmungen" von Pedro Almodovar, "Antichrist" von Lars von Trier, "Slumdog Millionär" von Danny Boyle oder "Looking for Eric" von Ken Loach an.
ORF: "Sesselpupser und weiße Elefanten"
Profil: Sie sind der ORF-Mann für alle Fälle: "Winzerkönig", "Tatort"-Kommissar, diese Woche Co-Interviewer im Parteichef-"Sommergespräch". Wie erleben Sie die ORF-Krise?
Krassnitzer: Die Innensicht liefert schon andere Bilder. Ich stehe ja an der Front und bin ein Teil der Wirtschaft, die dem ORF Content liefert. Dort spürt man natürlich die Lähmung und die Orientierungslosigkeit des ORF. Man mag zu Sendungen wie "Lottosieger" stehen, wie man will, aber das war eine erfolgreiche österreichische Serie, die jetzt eingestellt wird. Da fragt man sich schon, warum man dort spart.
profil: Wo sollte man denn sparen?
Krassnitzer: Leider liegt immer noch kein Konzept für den Strukturwandel im ORF vor. Es gibt keinen einzigen Vorschlag, wie das Unternehmen verändert werden soll. Die Politik sagt nicht: Wird es ein neues ORF-Gesetz geben? Einen Rauswurf der Mannschaft? Das ist ein endloses Herumgeeiere. Und die ORF-Spitze wartet wie das Kaninchen vor der Schlange und traut sich nicht, eine Richtung einzuschlagen.
profil: Sie werfen der ORF-Führung also Mutlosigkeit vor?
Krassnitzer: Ich denke, dass ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz durchaus in der Lage wäre, seinen Job gut zu machen. Er geht geschickt mit den Finanzen um; er sollte sich nur gewahr werden, dass er dieses Unternehmen führen muss. Er hat nur eine Chance: Entweder er führt den ORF bis 2011 aus der Krise, oder er geht mit Bomben und Granaten unter - und mit ihm wohl auch der ORF.
profil: Was müsste er also tun?
Krassnitzer: Kein Unternehmen dieser Kapitalstärke kann das Golden-Handshake-Modell nach Gießkannenprinzip durchstehen. Wrabetz muss sich die Kräfte suchen, die er tatsächlich loswerden will. Nur beim ORF gibt es eine Ausschreibung, und jeder, der will, kann gehen. Da sind aber viele erstklassige Journalisten dabei, die dem ORF ein kreatives Rückgrat geben. Und was bleibt übrig? Die Sesselpupser und weißen Elefanten, die nur darauf warten, dass es den nächsten Regierungswechsel gibt, damit sie beim nächsten Arsch wieder rausschauen können.
profil: Soll auch die Zahl der ORF-Direktoren reduziert werden?
Krassnitzer: Die Anzahl der Direktoren muss man kürzen, um den ORF effizienter führen zu können und sich weiße Elefanten zu sparen. Außerdem erscheint es mir zweifelhaft, einen Aufsichtsrat mit 32 Leuten zu haben. Das produziert nur viele Zurufe und keine klare Linie. Es wäre sinnvoller, einen schmalen Aufsichtsrat ohne Betriebsräte zu schaffen.
profil: Wie inkompetent geht die Politik mit demORF um?
Krassnitzer: Sie macht das Unternehmen kaputt. Offenbar ist das eine klassische Strategie bei staatsnahen Unternehmen - wie wir es gerade bei der AUA erleben. Der ORF steuert auf ein ähnliches Debakel zu. Aus allen politischen Richtungen wird er sturmreif geschossen.
profil: Welche Absicht vermuten Sie dahinter?
Krassnitzer: Offenbar soll ein ORF-Kanal verkauft werden. Dann wäre aber das Unternehmen tot. Denn was soll man auf dem einen Kanal noch senden? Nur noch klassisches Infotainment und ein paar Dokumentationen? Oder nur amerikanische Serien? Österreichische Produktionen haben viel mehr Zuseher. Gefällt Ihnen Hansi Hinterseer oder Brad Pitt besser?
profil: Brad Pitt natürlich.
Krassnitzer: Das zeigt, dass Sie schlechten Geschmack haben. Die Mehrheit der Österreicher bevorzugt Hinterseer. Der bringt wirklich Quote.
profil: Weil er im Hauptabendprogramm gespielt wird. Anspruchsvolle Filme oder Dokumentationen werden ins Nachtprogramm verräumt.
Krassnitzer: Eigentlich müsste sich der ORF aus der Quotenhörigkeit verabschieden. Natürlich legitimiert die Quote bis zu einem gewissen Grad öffentliche Gelder. Ich sehe auch gern Pasolini-Filme, aber ich glaube nicht, dass es tragbar wäre, "Die 120 Tage von Sodom" in Endlosschleife abzuspielen. Da hätten wir nicht viele Zuseher.
profil: Also ist es in Ordnung, wenn Qualitätsprodukte im Nachtprogramm verräumt werden?
Krassnitzer: Man kann doch auf einem Kanal etwas Qualitatives und auf dem anderen etwas für die breite Masse spielen. Das könnte etwa ein mögliches Zukunftskonzept sein. Der Letzte, der sich im ORF aber getraut hat, derart konzeptiv und unternehmerisch zu denken, war Gerhard Zeiler. Der hatte einen Plan.
profil: Sie haben mehrere Punkte für einen ORF neu aufgezählt. Machen diese den so genannten Bildungsauftrag des ORF aus?
Krassnitzer: Es hätte ja keinen Sinn, aus dem ORF einen Schulfensehsender zu machen oder wieder Russisch-Lektionen auszustrahlen. Das geht heute nicht mehr in der Stringenz wie in den sechziger Jahren. Aber man kann etwa Dokumentationen zeigen. Der ORF hat sich derzeit völlig aus dem Dokumentarfilm verabschiedet: Er finanziert sie nicht mit und zeigt sie nur auf Feigenblatt-Plätzen. Oder man kann eigene Produktionen zeigen. Aber aufgrund seiner Budgetsituation hat der ORF überhaupt keinen Planungszeitraum mehr.
profil: Die Finanzsituation kam ja nicht überraschend. Der ORF hat eine sehr teure Struktur, die Bundesländerstudios sind kostspielig. All das weiß man seit Jahren.
Krassnitzer: Stimmt schon. Für das Bundesländerfernsehen gäbe es aber eine elegante Lösung. Wir senden auf neun digitalen Sendern, die jeder empfangen kann, neunmal dasselbe. Da wirst du verrückt. Ich verstehe nicht, warum dort die Eigenproduktionen nicht verwertet werden.
profil: Dagegen würden die Landeshauptleute protestieren, weil sie dann nicht mehr ihre Exklusivberichte über die Eröffnung neuer Fußgängerzonen bekommen würden.
Krassnitzer: Vom Landeshauptmannfernsehen sollten wir uns endlich verabschieden. Ich bin ja nicht naiv und glaube an einen entpolitisierten ORF. In einem Land, in dem es sogar Autofahrerklubs von ÖVP und SPÖ gibt, wird die Politik immer auch im Fernsehen mitmischen. Alles andere ist nur eine schöne Utopie.
profil: Sie agieren hier mit Zurufen an die ORF-Spitze. Hätten Sie durch Ihr Nahverhältnis zu Wrabetz nicht auch die Chance, ihm auch persönlich Ihre Sicht der Dinge darzulegen?
Krassnitzer: Natürlich könnte ich auch den österreichischen Weg gehen: den Weg des Mauschelns und des Tricksens, um hinterrücks in irgendwelche Darmwindungen zu gelangen. Der ORF ist es aber wert, öffentlich diskutiert zu werden. Sonst sind wir irgendwann so weit, dass in diesem Sender nichts mehr läuft als 24 Stunden Politiker-Palatschinkengesichter.
Das ganze Interview, das Stefan Grissemann und Eva Linsinger mit Harald Krassnitzer geführt haben, ist in der aktuellen profil-Ausgabe (Nr.36 vom 31.August 2009) nachzulesen.
ORF: Späte Erkenntnis – Dürftige Einsicht
Es seit Zeit, meinte Ex-ORF-Generaldirektorin Monika Lindner unlängst in einem Standard-Interview (19.8.2009), „den ORF an neue Gegebenheiten anzupassen. Er hat im Prinzip die Strukturen der 1960er-Jahre.“ Die Erkenntnis kommt mindestens 7 Jahre zu spät. Als Generalin (2002-2006) hätte sie die notwendige Strukturreform aktiv vorantreiben können.
Für Bundeskanzler Werner Faymann dagegen scheint die Zeit für eine nachhaltige ORF-Reform noch nicht gekommen zu sein. Im FORMAT-Interview vom 21.8.2009 sieht er beim ORF nur Einsparungsbedarf: Beim Budget und beim Stiftungsrat. Auf die Frage, ob es ein neues ORF-Gesetz brauchte, sagt Faymann: „Nicht unbedingt. Obwohl ein ORF-Gesetz jedenfalls den Sinn hat, dass statt 36 Leuten im Aufsichtsrat deutlich weniger drinnen sitzen.“
Dass ein neues ORF-Gesetz auch darüber hinaus Sinn hätte, um die politischen Rahmenbedingungen für einen unabhängigen öffentlich-rechtlichen Rundfunk mit hoher und unverwechselbarer Programmqualität in Zeiten einer völlig veränderten Fernsehlandschaft festzulegen, ist in den Köpfen der Regierung offenbar noch nicht angekommen. Die vielfältigen Anregungen dazu aus dem ORF selbst, aus diversen zivilgesellschaftlichen Gruppierungen, den unabhängigen Zeitungen und der österreichischen Filmindustrie wurden bislang nicht einmal ignoriert.
„Man muss“, nochmals O-Ton Lindner, „die Leute nicht für blöd halten, dass sie nur dasselbe wollen wie auf allen anderen Sendern. Hab ja ich mich schon teilweise geniert.“ Bloß: teilweise genieren reicht halt nicht, um besseres Programm zu machen, um den ORF nicht zur Abspielstätte US-amerikanischer Serien verkommen zu lassen, die sich im Quotenkampf mit deutschen Privatsendern verliert.
Um den ORF zu einem österreichischen und europäischen Public Service-Sender zu machen, mit dem die Gebührenzahler sich identifizieren können, in dem sie sich selbst, ihre Interessen, ihre Anliegen und ihre Probleme wahrgenommen und gespiegelt sehen, brauchte es ein inhaltliches Konzept, das auf einem klaren gesetzlichen Programmauftrag und einem Bewusstsein von der demokratiepolitischen Bedeutung sowie den Funktionen und Aufgaben eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks basiert.
Darin läge der Sinn eines neuen Gesetzes für den ORF, für dessen Programm sich GeneraldirektorInnen dann nicht mehr genieren müssten.
Studie: Kultursubventionen rechnen sich.
Laut einer aktuellen Untersuchung des Instituts für Höhere Studien (IHS) im Auftrag der Wiener Wirtschaftskammer zählt insbesondere die Filmbranche zu den wertschöpfungsintensivsten Kulturbereichen. Laut IHS stehen einer Million Euro Förderung in Film und Kino 3,4 Mio. Euro Wertschöpfung, 45 Vollzeitarbeitsplätze und öffentliche Einnahmen in Höhe von 640.000 Euro gegenüber. Damit hat der Filmbereich den zweithöchsten Wertschöpfungsfaktor von allen geförderten Bereichen und wird nur von der Musik (4,1 Mio. Euro) überholt. Der Großteil der Wertschöpfung fließt in Form von Aufträgen in Wiener Unternehmen. Allen voran stehen Ausstatter-, Bühnen- und Tontechnikunternehmen, Verlage, Werber, Kinobetreiber, Unternehmensberater, Autoren, Regisseure, aber auch das Baugewerbe, der Handel und die Druckereien. Zusätzlich dazu profitieren Hotellerie und Gastronomie.
Gegen eine Schmalspurreform des ORF
„2000 nahm der ORF noch ebenso viel aus Gebühren ein wie aus Werbung. 2008 lieferten Spots & Co nur noch weniger als die Hälfte der Empfangsgebühren. Die Konjunktur schlägt sich zwar auch auf die Gebühren - Arbeitslose sind davon befreit. Aber auch hier bricht Werbung viel deutlicher ein.
Dramatisch, wie die Kurven von Gebühren und Werbung im ORF auseinanderstreben, versteht man Überlegungen in der ÖVP: Warum nicht nachdenken, ob der ORF auch ohne Werbung auskommen kann? Im Fernsehen oder jedenfalls dem Hauptabendprogramm. Oder online. Oder, darauf kam die Volkspartei bisher nicht, gar im Radio?
Unmöglich für Josef Cap, die jahrzehntelang bewährte Schutzmantelmadonna des ORF, und andere Sozialdemokraten. Die SPÖ-Medienverhandler lassen gleich den davon betroffenen ORF berechnen, wie unmöglich viel solche Maßnahmen kosteten. 120 Millionen kursieren, bisweilen auch 190.
Ein zentraler Punkt fehlt in der Debatte: Vielleicht könnten SPÖ und ÖVP im Bund auf ihre Anteile an den Gebühren im Bund verzichten und auch ihre Landeshauptleute dazu bewegen. Ersetzt der Bund dem ORF - wie den Telekoms - noch Befreiungen von den Gebühren, der ORF hätte einen Entfall der Werbung locker kompensiert. Die Länder müssten eben Altstadtsanierung, Musikschulen und Brauchtumspflege ehrlicher finanzieren.
Wenn dann noch jemand den Menschen klar macht, dass sie Gebühren für etwas zahlen, das Privatsender nicht bieten. Und wenn der ORF tatsächlich solche Inhalte liefert. Dann nähme das viel Quotendruck von der Anstalt. Die ORF-Führung hält dem Druck ohnehin nicht stand - siehe bröselnde Marktanteile.
Ein rein aus Gebühren finanzierter ORF wäre der Politik völlig ausgeliefert? Immer eine Frage der handelnden Personen: Monika Lindners ORF galt als Regierungsfunk pur. Wrabetz und seinem Info-Direktor Elmar Oberhauser kann man viel nachsagen - von Quotenschwund bis zur allzu großen Abhängigkeit von Finanzerträgen. Aber unabhängiger wirkt seine Information allemal - und der Gebührenanteil wuchs in der Zeit. Ohne Werbung könnten sich ORF-Manager auch sparen, Redaktionen um Schonung von Werbekunden zu bitten. Und vielleicht käme dann Privatfunk auf die Beine, mit oder ohne deutsche Beteiligung.
SPÖ und ÖVP wollten handstreichartig wie dilettantisch die ORF-Führung austauschen. Man kann es ihnen nicht verdenken in dieser Lage des ORF, wiewohl das meistgehandelte Personal kaum Rettung versprach. Nun verlegen sie sich auf Schmalspurreformen. Sie sollten im Gegenteil grundsätzlicher werden. Sonst bestimmen bald - Aua! - alleine Multis auch Österreichs Fernsehbranche.“
Den ganzen Kommentar von Harald Fidler können Sie unter http://derstandard.at nachlesen.
Wer rettet den ORF?
Wer erinnert sich noch an den Amtsbeginn von ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz Anfang 2007? Wenige Monate später galt es als Drama, dass die addierte Quote seiner Fernsehsender nach einer missglückten Programmreform unter 40 Prozent sinken könnte. In diesem Juli liegt der gemeinsame Marktanteil von ORF1 und ORF2 bei 34 Prozent. Das ist ein Verlust von zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Juli 2008 hat er noch 37,4 Prozent betragen. Wie lange wird die 30 halten?
Masse ist nicht alles. Keine Panik also, kein SOS ORF? Vielleicht doch. Zugleich liegt unser öffentlich-rechtlicher Rundfunk nämlich auch in diesem Jahr bei den Werbeeinnahmen deutlich unter Plan. Es droht beim Budget so wie im Vorjahr ein kräftiges Minus, obwohl erst 2008 die Gebühren erhöht worden sind. Mehr als eine halbe Milliarde Euro machen die Beiträge der Seher aus. Das ist offenbar immer noch zu wenig. Es gilt heute schon als Erfolg, wenn das Defizit nicht 100, sondern weniger als 50 Millionen Euro beträgt.
Noch mehr Werbezeit? Wie also sieht die Konsequenz aus? Noch mehr Werbezeit? Noch höhere Gebühren? Lächerlich! Ausschlaggebend wird neben ernsten Verschlankungsversuchen sein, wohin Wrabetz und sein Team mit dem Programm steuern. Bei Eigenproduktionen zu sparen und stattdessen mit noch billigeren Serienimporten auf Quote zu schielen, ist der falsche Weg. Der ORF als Luxusalternative zu Pro7 oder Sat1 ist verzichtbar. Aus Soap können kommerzielle Sender wesentlich besser Kapital schlagen als eine vergleichsweise regionale Anstalt, die nur in einer Kategorie mehr Masse hat – an Mitarbeitern und Kosten für diese.
Vielleicht ist es gerade in harten Zeiten nötig, eine wirklich große Programmreform durchzuziehen. Quote muss für einen staatlichen Sender mit Bildungsauftrag tatsächlich nicht ausschlaggebend sein. 40 Prozent sind bereits Illusion, 30 Prozent noch lange nicht sicher. In Deutschland liegen ARD und ZDF derzeit bei rund zwölf Prozent. Tendenz also fallend. Dann aber sollten sich gebührenfinanzierte Sender, die in der aktuellen Medienlandschaft immer mehr zu Exoten werden, auf Qualität und regionale Kompetenz konzentrieren.
Lesen Sie hier den vollständigen Kommentar.
FILMRISS. Das Finanzdebakel des ORF schlägt sich auf Österreichs Filmwirtschaft nieder
Darin heisst es u.a.: Der ORF hat "sich angesichts seiner Probleme ein Sparprogramm auferlegt und sein Budget für Fernsehfilmproduktionen dramatisch reduziert. (...) Das Auftragsvolumen für Filmproduktionen wurde dafür drastisch um 42,1 Prozent, von 26,13 Millionen auf 15,13 Millionen Euro, gekürzt. Jetzt setzt der ORF erneut den Rotstift an. Die Mittel für Fernsehfilmproduktionen wurden um weitere 25 Prozent reduziert. Damit wäre das gesamte verfügbare Budget bereits an diverse vertraglich fixierte Produktionen gebunden. Eigenständige österreichische Produktionen (...) kann sich der Sender nicht mehr leisten."
Den gesamten Artikel von Peter Sempelmann finden Sie in der aktuellen Ausgabe des „trend“ (08/2009)
ORF: Geld macht Programm
Eine Groteske der besonderen Art lähmt den ORF. Ein veraltetes Abschreibungsmodell macht es dem Sender schwer, neue, selbst produzierte und aus Rundfunkgebühren finanzierte Beiträge zu zeigen. Die Erklärung dafür ist einfach und absurd: Der ORF nimmt seine Produktionen in der Bilanz ins Umlaufvermögen auf und stellt diesem Wert die Produktionskosten gegenüber. So bleibt das Material kostenneutral bis zum ersten Sendetermin. Dann wird es allerdings zu hundert Prozent abgeschrieben. Angesichts der Finanzmisere kann die für die Zuteilung der Sendebudgets zuständige kaufmännische Direktorin Sissy Mayerhoffer für die oft mehrere hunderttausend Euro teuren Produktionen keine freigaben erteilen, weil diese dann in der Bilanz schlagend würden und das Defizit weiter ansteigen ließen. In der Mitte Juli veröffentlichten Bilanz für 2008 weist der ORF einen Konzernverlust von 79,81 Millionen Euro und im Einzelabschluss ein Minus von 104,43 Millionen Euro aus. In den Büchern schlägt der inzwischen für beinahe zwei Jahre reichende Vorrat an Eigenproduktionen mit rund 60 Millionen Euro zu Buche. Die Ausstrahlung würde die Jahresbilanz also mit weiteren 30 Millionen belasten.
De facto bestimmt daher die kaufmännische Direktorin das Programm, was aber eigentlich die Domäne des Programmdirektors Wolfgang Lorenz wäre. Deshalb vermuten Insider dahinter auch politische Machtspielchen. Programmchef Lorenz übt aber trotz der Tatsache, dass er stets um Sendebudgets kämpfen muss, nur leise Kritik: „Natürlich wäre es in der jetzigen Situation leichter, wenn es eine progressive Abschreibung, etwa 50 Prozent für die Erstausstrahlung, 30 Prozent für die zweite und 20 Prozent für die dritte, gäbe. Die Entscheidung dafür obliegt jedoch dem Generaldirektor, der als ehemaliger Finanzchef sicher weiß, was er tut.“ Eine Änderung des seit Jahrzehnten praktizierten Vorgehens würde die Belastungen zudem nur in die Folgejahre verschieben. Lorenz: „Wir würden dem Dreck damit nur eine watsche geben.“
Werner Müller, Chef des Fachverbands der Filmindustrie, meint jedoch: „Geförderte Produktionen könnte der ORF auf sieben Jahre abschreiben. Es gibt Filme mit Zeitbezug, etwa auf einen Kanzler Gusenbauer, die noch nicht einmal ausgestrahlt wurden.“
Biennale: Der Erfolgslauf des österreichischen Films setzt sich fort!
Im Wettbewerb am Lido wird Jessica Hausner mit ihrem neuen Film "Lourdes“ (coop99) vertreten sein. Hausner erzählt in "Lourdes" die Geschichte einer jungen Frau, die bei einer Pilgerfahrt nach Lourdes Heilung nicht nur im körperlichen Sinn, sondern auch seelisch erfährt. Die zuletzt gehäuften Auszeichnungen für österreichische Filme - von Ruzowitzkys Oscar über Spielmanns Oscar-Nominierung bis zu Hanekes Goldener Palme im Mai - hätten den hiesigen Filmemachern zweifellos einen enormen Schub gegeben: "Durch diese Erfolge“, so Jessica Hausner in einem Kurier-Bericht, „ist eine unglaubliche Dynamik entstanden, ein Schneeballeffekt. Das Selbstbewusstsein der Filmemacher wurde gestärkt. Da sieht man erst, was für ein riesiges kreatives Potenzial vorhanden ist."
In der Sektion Orizzonti laufen Peter Schreiners "Toto" (echt.zeit.film) und eine weitere coop99-Koproduktion: "Pepperminta" der Schweizer Künstlerin Pipilotti Rist, eine unkonventionelle Frauengeschichte mit Elisabeth Orth. In den Giornale degli Autori startet Sherry Hormanns "Wüstenblume" (DOR Film), die Verfilmung des Lebens der Menschenrechtlerin Waris Dirie. Und in der Settimana della critica zeigt Patric Chiha die Beziehungsgeschichte "Domaine" (WILDart Film) mit Sylvie Rohrer.
ORF-Enquete für Filmwirtschaft thematisch unbefriedigend
Der Fachverband der Film- und Musikindustrie hat in Briefen an Staatsekretär Josef Ostermayer (SPÖ) und ÖVP-Klubchef Karlheiz Kopf zur Tagesordnung und Teilnehmerliste der für 17.September geplanten parlamentarischen "ORF-Enquete" Stellung genommen. Diese werde in der Öffentlichkeit als Startschuss und Inputgeber für die für Herbst in Ausssicht gestellte ORF-Gesetznovelle wahrgenommen. Die vorrangig zu lösenden ORF-Probleme werden aber gemäß der Tagesordnung gar nicht zur Debatte gestellt. Weder stehe die reformbedürftige Struktur des ORF zur Diskussion noch der öffentlich-rechtliche Programmauftrag und seine notwendige Neudefinition sowie quantitative und qualitative Aufwertung. FAF-Geschäftsführer Werner Müller und der Obmann des Fachverbandes, Danny Krausz, der die Film- und Musikindustrie bei der Enquete vertreten wird, bedauern die verpasste Gelegenheit, mit der Equete eine breite Diskussionsbasis für die dringlichen Strukturmaßnahmen im ORF zu eröffnen, die eine Basis für die kommende Novelle sein müsste.
(Nachtrag: Danny Krausz hat die Österreichische Filmwirtschaft bei der ORF-Enquete vertreten. Lesen Sie hier den Originalwortlaut seine Rede.)
ORF: Uneinigkeit über neues Gesetz
ORF-Enquete im Parlament
Für die Teilnahme an dieser Enquete sollen laut Parlamentskorrespondenz „alle relevanten Markteilnehmer, internationale Experten sowie Vertreter von Interessensverbänden eingebunden werden. Sie sollen gemeinsam die Zielsetzungen einer Gesetzesnovellierung diskutieren.“
Die Diskussion soll in drei Themenblöcke geteilt werden. Zunächst sind grundsätzliche Statements von den beiden Klubobmännern Josef Cap (SPÖ) und Karlheinz Kopf (ÖVP), von den Mediensprechern von FPÖ, BZÖ und Grünen sowie von den Staatssekretären Josef Ostermayer (SPÖ) und Reinhold Lopatka (ÖVP) geplant. Über die Zukunftschancen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks aus europäischer Sicht diskutieren im Anschluss daran internationale ExpertInnen mit der EU-Kommissarin Nellie Kroes. Der dritte Themenblock ist der Frage nach den Rahmenbedingungen für die Medienvielfalt in Österreich gewidmet. Dazu sind Impulsreferate von ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz und Horst Pirker, Präsident des VÖZ, vorgesehen.
Noch viel zu vage geht aus dem Antrag hervor, ob und wie der öffentlich-rechtliche Programmauftrag jenseits des Informationsauftrags an der Enquete diskutiert werden soll, insbesondere die Forderung der österreichischem Filmwirtschaft und Filmschaffenden nach 25% des Programmentgelts für die Produktion österreichischer Fernsehfilme, -serien und –dokumentationen, die auf die Konkretisierung und Festschreibung des bestehenden gesetzlichen Programmauftrags abzielt, den der ORF im Zuge der aktuellen Sparmaßnahmen praktisch nicht mehr erfüllt. Für die Herstellung von Eigen- und Koproduktionen ist in den Budgets für 2010 und 2011 nicht einmal mehr die Hälfte des 2008er-Budgets eingeplant; zudem macht der ORF – wie Kommunikationschef Pius Strobl jüngst gegenüber der „Presse“ erklärte – die Fortsetzung des Film/Fernsehabkommens neuerlich davon abhängig, ob die Republik dem ORF die versprochene Rundfunk-Gebührenrefundierung abgibt und wie sich der Werbemarkt entwickelt.
Die Reform des ORF-Gesetzes muss bis 19. Dezember dieses Jahres beschlossen werden. Die Enquete ist für die Öffentlichkeit zugänglich. Bild- und Tonaufnahmen sind zulässig.
Pressekonferenz: Gemeinsam für einen unabhängigen ORF!
Am 22.06.2009 fand im Presseclub Concordia die Pressekonferenz "Gemeinsam für einen unabhängigen ORF!" statt. Die Vertreter der Initiativen für den ORF, darunter auch die „Plattform Filmwirtschaft und Filmkultur mit dem ORF“, informierten über gemeinsame Vorhaben.
Lesen Sie hier die PK-Unterlage der Plattform nach:
Forderungen der österreichischen Filmwirtschaft an eine Novelle
zum ORF-Gesetz
1) Mit der Forderung nach hoher öffentlich-rechtlicher Programmqualität beharrt die INITIATIVE PRO ORF nur auf der Einhaltung bestehender gesetzlicher Bestimmungen. Schon im geltenden ORF Gesetz (§4) sind u.a. die „Vermittlung eines vielfältigen kulturellen Angebots“, die „Förderung der österreichischen Identität“ sowie der „österreichischen künstlerischen und kreativen Produktion“ festgeschrieben. Allerdings so unverbindlich, dass dieser Programmauftrag faktisch nicht oder nur kaum erfüllt werden muss. Zudem gibt es keine Kontrollmechanismen, die die Erfüllung dieser gesetzlichen Verpflichtung gewährleisten könnten.
Die Identität eines demokratisch verfassten Staates und seiner Bürger entwickelt sich nicht nur im politischen, kulturellen und (zivil-)gesellschaftlichen Diskurs, zu dem ein unabhängiger, öffentlicher Rundfunk mit seinen Informationsprogrammen einen wesentlichen Beitrag leistet. Nationale und kulturelle Identität wird insbesondere auch durch österreichische Programminhalte bei fiktionalen Produktionen hergestellt: über österreichische Geschichten und über österreichische Schauspieler, die in Fernsehfilmen und Serien zu erleben und zu sehen sind.
Für Eigen- und Koproduktionen mit österreichischen Programminhalten stehen im ORF aber immer weniger Mittel zur Verfügung. Zur Zeit machen die ORF-eigenen Aufwendungen für österreichspezifische TV-Serien, Fernsehfilme und Dokumentationen bloß noch 4% des Umsatzes aus. Das führt u.a. dazu, dass die Zuschauer des ORF-Programms schon heute nicht einmal einen österreichischen TV-Film pro Monat zu sehen bekommen.
Der ORF muss daher im Zuge der Novellierung des ORF-Gesetzes zur Einhaltung seines öffentlichen-rechtlichen Programmauftrags durch Konkretisierungen und Quantifizierungen dieses Auftrags verpflichtet werden. Und zwar dergestalt, dass 25% des Programmentgelts dafür zu verwenden sind, österreichische Fernseh-Filme, TV-Serien und -Dokus bei österreichischen Filmherstellern in Auftrag zu geben oder in entsprechendem Umfang in Koproduktionen mit der österreichische Filmwirtschaft zu investieren.
2) Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist aber nicht nur Produzent von Fernsehprogrammen, sondern auch ein vielseitiger wirtschaftlicher Anreger für zahlreiche Branchen und darin ein wichtiger Partner in einer hochdifferenzierten Kulturwirtschaft, insbesondere auf dem Gebiet des Kinofilms.
Vor diesem Hintergrund wurde 1981 zwischen dem ORF und dem Österreichischen Filminstitut das sog. Film/Fernseh-Abkommen geschlossen, das die Förderung der österreichischen Kinofilmproduktion zum Ziel hat sowie die Ausstrahlung österreichischer Kinofilme via Fernsehen ermöglicht, sodass auch jene Österreicherinnen und Österreicher, die selten oder keine Möglichkeit haben ins Kino zu gehen, diese Filme sehen können. Die großen internationalen Erfolge, die der österreichische Film in den letzten Jahren feiern konnte, sind maßgeblich auch ein Ergebnis dieser Zusammenarbeit zwischen Filmwirtschaft und ORF. Obwohl der ORF jüngst von der Kündigung Abstand genommen hat, bleibt die Ungewissheit bestehen, das erst 2006 neugefasste Abkommen, je nach wirtschaftlicher Lage des ORF, mit Mitteln auszustatten oder nicht.
Um diese für die österreichische Filmkultur viel zu vage Perspektive in konkrete Gegebenheiten zu verwandeln, muss das Film/Fernseh-Abkommen zwischen ÖFI und ORF gesetzlich fixiert und mit einem Mindestbetrag von jährlich € 10 Mio seitens des ORF wertgesichert dotiert werden. Nur damit ist sichergestellt, dass der ORF auch in Zukunft seiner Rolle als Partner in der Produktion des österreichischen Kinofilms gerecht wird.